Der Pferdehuf

Der Pferdehuf ist ein Kunstwerk der Natur. Er trägt nicht nur das beachtliche Gewicht des Pferdes, er dämpft auch ankommende Stöße beim Laufen und ist gleichzeitig den enormen Beschleunigungskräften ausgesetzt, die sich beim Galopp oder bei Sprüngen auf mehrere tausend Kilo pro Quadratzentimeter summieren. Nicht nur deshalb ist es wichtig, diesen Körperteil des Pferdes einer besonderen Aufmerksamkeit zu unterziehen und entsprechend gesund zu erhalten. Dazu gehört neben ausreichender Bewegung und einer sauberen Box/Paddock auch ganz wesentlich eine ausgewogene und leistungsgerechte Ernährung des Pferdes.

 Aufbau des Hufes

Der Urahn des Pferdes war vor ca. 60 Mio. Jahren der EOHIPPUS, ein fuchsgroßes Tier mit vier weichen Zehen. Durch Klimaveränderungen musste sich das Urpferd vom Waldbewohner auf den Untergrund einer harte Steppe umstellen. Die Möglichkeit des Versteckens im Unterholz war nun nicht mehr gegeben und die einzige Rettung vor dem Angriff eines Raubtieres bestand in der Flucht. Daher begann sich die Mittelzehe verstärkt zu entwickeln, während die anderen Zehen allmählich verkümmerten. Die Überbleibsel dieser verkümmerten Zehen finden wir heute als Griffelbeine und Kastanie.

Der Huf stellt, im Vergleich mit der menschlichen Hand, den Mittelfinger dar. Der Knochenaufbau des Hufs ist ähnlich der eines Fingers: Fesselbein, Kronbein und Hufbein entsprechen dabei den 1. / 2. und 3. Fingerknochen.Der Mittelfußknochen(auch Röhrbein genannt) ist abgewinkelt mit dem Fesselbein verbunden. So kann der Knochenapparat elastisch auf Stöße durch Gewichtsveränderungen reagieren. Dabei wird ein Großer Teil der Kräfte über die tiefe Beugesehne aufgenommen. Diese verläuft über die zwei Gleichbeine (auch Sesambeine) und bildet so einen Spannungsbogen zur Stabilisierung des Fesselgelenks. Der eigentliche Huf besteht aus Kronbein, Hufbein und Strahlbein. Kron- und Hufbein bilden die tragenden Bauelemente des Hufes und das Strahlbein dient als Hilfsknochen dazu die tiefe Beugesehne mit dem Huf zu verbinden und sorgt mit einem Schleimbeutel für die „Schmierung“ dieser Sehne. Dieser Bereich wird auch als Hufrollebezeichnet. Das Hufbein liegt im Inneren der Hornkapsel und sorgt zusammen mit der Huflederhaut für eine haltbare Verbindung zwischen Skelett und Huf.

Dynamik im Huf

Der Huf ist nicht nur als „Lauffläche“ zur Abnutzung gedacht, sondern dient hauptsächlich in seiner Funktion als Stoßdämpfer beim Laufen des Pferdes. Durch das Gewicht und die Geschwindigkeit des Pferdes können so schnell mehrere tausend Kiloopond als Punktbelastung am Huf resultieren! Die stoßdämpfende Wirkung des Hufes wird durch den Hufaufbau generiert. Die Hufkapsel durch das einwirkende Gewicht und dieser Energie verformt und kann so sehr viel Impulsenergie aufnehmen und in Verformung abgeben, abbauen. Durch das einwirkende Gewicht senkt sich der obere Hufrand ein wenig, die Sohle wölbt sich zusammen mit dem Strahl zum Untergrund. Der Strahl wird vom Boden förmlich breit gedrückt. Die Hornkapsel muss nun im hinteren Bereich nach außen nachgeben. Dabei bewegen sich die Trachten mehrere Millimeter nach Außen. Wird der Huf wieder entlastet geht der Hufmechanismus durch seine enorme Elastizität wieder in die Ausgangsstellung (Null-Stellung)zurück. Neben dieser stoßentlastenden, mechanischen Wirkung wird durch diese Bewegung im Huf, die übrigens auch bereits schon beim ruhigen Schritt einsetzt, eine Pumpwirkung (Druck- Sogwirkung) für das Blut im Huf (bzw. der Huflederhaut) erzeugt. So wird durch Bewegung des Pferdes der Huf durchblutet, was wiederum Sauerstoff und Nährstoffe zubringt, das in der Folge gut für das Hufwachstum und die Hufqualität ist.