Propriozeptionstraining

Was ist das?

Das Wesen des PZT ist die Wiederheranführung des  Pferdes an normale und anatomisch physiologisch korrekte Bewegungsabläufe.

Bewegung ist eine kompliziert Aufgebaute, kybernetische Leistung des Gehirns des Lebewesens.

Schock oder Schmerzzustände ändern meist spontan und nachhaltig den Bewegungsablauf zugunsten einer Schonund Schutzhaltung. Lange nach Abheilung und der meist daraus resultierenden möglichen Vollbelastung einer Struktur bleibt die Schonhaltung noch bestehen. Schonhaltung bedeutet für das Tier jedoch eine Einschränkung in der Entfaltung des adäquaten Bewegungsablaufes.

Nicht selten führt die unbehandelte Schonhaltung wieder zu neuen Verletzungen und es entsteht ein Kreislauf, der für das Tier wieder mit einer dazu noch verstärkten Schonhaltung weiterführt. 

     

Eine Anwendung im Sinne einer propriozeptiven, kybernetisch wirksamen Form führt das Pferd aus diesem curriculum heraus und ist daher für eine gänzliche Genesung unabdingbar!

PZT (Propriozeptionstraining)auch am gesunden Pferd?

Betrachtet man des Pferd in seinen Bewegungsqualitäten, dann zumeist nur in der nach "Vor" gerichteten Dynamik. Durch eine gezielte Analytik (speziell im Bereich der hinteren Extremitäten) lassen sich bei geschätzten 70% der Pferde mittelgradige bis hochgradige Bewegungseinschränkungen in der Raumachsen-Bewegung demaskieren.

Diese Probleme offenbaren sich in der adäquaten Stand- und Bewegungsadaption auf (vor allem) seitliche und rückwärtsgerichtete Bewegungsimpulse.

Merkmale (Beispiele):

Seitlicher Impuls: Unsicherheiten im "Übertreten", das "Nachziehen" einer Extremität oder aber auch das "Umfallen" des Pferdes.

Probleme beim Verladen des Pferdes sind sehr häufig Probleme der propriozeptiven Sensibilität des Pferdes.

Wie entstehen PZ- Probleme am scheinbar gesunden Pferd?

Oft sind es die Umstände der Pferdehaltung:  Gerader Boxenboden, gerader Vorhof, gerade Weiden. 

Es fehlen die unterschiedlichen Reize eines selektiven Terrains auf die Rezeptoren an den Gelenken und Muskeln, welche eine Voraussetzung für eine notwendige und schnell funktionierende "Vergurtung", somit Sicherung dieser Strukturen bei Belastungen, darstellen.

Was kann oder besser muß ich nun tun?

Geben Sie Ihren Pferd die Möglichkeit, unterschiedliche Terrains unter die Hufe zu bekommen. Lassen Sie Ihr Pferd sich "spüren" durch selektive Bodenwahl.

Fragen Sie Ihren Pferdephysiotherapeuten nach dem Propriozeptionstraining und lassen Sie von Ihrem Pferd einen Status erheben.

Welche Vorteile hat mein Pferd von einem PZ- Training?

  • Verbesserung des Dynamik des Gangbildes und damit bessere Rittigkeit.
  • Gleichmässigere, weichere Schubumsetzung am gesamten Körperstamm.
  • Schnellere, muskuläre Reaktionsbereitschaft und gezielter Kraftumsetzung  (vor allem im Gelände und im Sprungsport)
  • Deutliche Minderung einer Verletzung durch schnellere, neuronale Signalübertrag und dadurch schnellerer Reaktionsbeantwortung auf mögliche Fehlbelastungen.

Grundlagen

Propriozeption (von lateinischpropriuseigenund recipereaufnehmen) bezeichnet diejenige Komponente der Wahrnehmung von Lebewesen, die Informationen nicht über die Außenwelt, sondern aus eigenen Körperabschnitten und über eigene Körperabschnitte bereitstellt. Es handelt sich somit um eine Eigenempfindung.Der Begriff ist komplementär zu Exterozeption. Es kann im konkreten Fall zu einer Überschneidung der rein physiologisch definierten Begriffe kommen, da bisweilen nicht genau definiert werden kann, ob bestimmte Rezeptoren nur Reize aus der Innenwelt des eigenen Körpers oder auch Reize aus der Außenwelt übermitteln. Zum Beispiel kann eine bestimmte Außentemperatur subjektiv als kalt oder auch noch als angenehm beurteilt werden. Durch eigene Aktivität wie z.B. Muskelarbeit kann es andererseits zu einer Eigenerwärmung des Organismus kommen, unabhängig von der äußeren Körpertemperatur. Es kommt somit sowohl auf rein subjektive eigene Maßstäbe und Kriterien und gleichzeitig auch auf objektivierbare und exakt messbare Außenreize an.Propriozeption ist aufgegliedert in Oberflächensensibilität und Tiefensensibilität.Propriozeptoren und Interozeptoren. Es handelt sich z.T. um Mechanozezeptoren, die als sensible Endorgane auf Zustand und Zustandsänderungen des Bewegungs- und Halteapparats ansprechen (Muskelspindeln, Sehenenspindeln, aber auch um andere Rezeptoren, die Zustand und Zustandsänderungen des eigenen Körpers signalisieren, Sensomotorik, sensomotorischer Cortex, Körperschema, Somatotopie und auch um Rezeptoren in Maculae und Cristae des Vestiblularisapparats usw. 

Tiefensensibilität

Tiefensensibilität oder Tiefenwahrnehmung ist die zentralvenöse Verarbeitung bestimmter Reize aus dem Körperinneren. Sie ist der komplementäre Begriff zu Oberflächensensibiliät. Tiefensensibilität ist ein Teil der Propriozeption, da auch sie Informationen aus dem eigenen Körper bereitstellt. Der Propriozeption wird die Exterozeptiongegenübergestellt.Tiefensensibilität ist zu unterteilen in:

  • Lagesinn

der Informationen über die Position des Körpers im Raum und die Stellung der Gelenke und des Kopfes liefert

  • Kraftsinn

der Informationen über den Anspannungszustand von Muskeln und Sehnen liefert

  • Bewegungssinn oder Kinästhesie

durch den eine Bewegungsempfindung und das Erkennen der Bewegungsrichtung ermöglicht wird. Bei der Tiefensensibilität geht es um die Eigenwahrnehmung des Körpers. Eng verwandt sind die vestibuläre Wahrnehmung, mit der Lageveränderungen und Lagewechsel wie Rotationen wahrgenommen werden können, die  taktile Wahrnehmung (Oberflächensensibilität) sowie die Wahrnehmung der inneren Organe (Entero- oder Viszerozeption).

Säugetiere Die kinästhetische Wahrnehmung findet durch Rezeptoren in Gelenken (Gelenksensoren), Muskeln- und Muskelspindeln) und Sehnen (Golgi- Organellen) statt. Die Propriozeption nimmt Informationen aus Muskeln und Sehnen auf. Wahrnehmung der Stellung und Bewegung des Körpers im Raum, durch spezifische Rezeptoren Propriorezeptoren) registrierte Informationen über Muskelspannung(Golgi-Sehnenorgan), Muskellänge (Muskelspindel) und Gelenkstellung beziehungsweise Bewegung werden zum Teil auf Rückenmarkebene(monosynaptisch) verschaltet (propriozeptive Reflexe). Die Propriozeption wird dem Gehirn hauptsächlich über die Tractus spinocerebellares anterior et posterior zugeleitet. 

Rezeptor Als Rezeptor wird in der Biologieauf zellulärer Ebene eine spezialisierte Zelle bezeichnet, die bestimmte äußere und innere chemische oder physikalische Reize in eine für das Nervensystemverständliche Form bringt, oder auf molekularer Ebene ein Protein oder einen Proteinkomplex, das bzw. der entweder aus der Oberfläche einer Biomembran herausragt und für die Bindung verschiedener Partikel sorgt, welche in die Zelle importiert werden oder im Inneren der Zelle biochemische Signalprozesse auslösen oder sich im Inneren der Zelle selbst befindet und dort solche Signalprozesse auslöst. Der Rezeptor besitzt eine spezifische Bindungstelle für einen physiologischen Agonisten.

Signaltransduktion

Als Signaltransduktion bzw. Signalübertragungoder Signalübermittlung werden in der Biochemie und Physiologie Prozesse bezeichnet, mittels derer Zellen zum Beispiel auf äußere Reize reagieren, diese umwandeln und in das Zellinnere weiterleiten. An diesen Prozessen sind oft eine Vielzahl von Enzymen und sekundären Botenstoffen (Second Messenger) in einer oder mehreren nachgeschalteten Ebenen beteiligt (Signalkaskade). Dabei wird teilweise das ursprüngliche Signal verstärkt (Signalamplifikation). Signale mehrerer Signalkaskaden werden oft durch 'Crosstalk' im Zytoplasma oder im Zellkern integriert. Die Gesamtheit der Signalkaskaden in einem Zelltyp wird auch als dessen Signalnetzwerk bezeichnet. Signalnetzwerke sind plastisch, d.h. sie variieren z. B. in verschiedenen Entwicklungsstufen eines Organismus.Signaltransduktionsvorgänge sind für einzellige Organismen von essentieller Bedeutung, um auf Veränderungen ihrer Umwelt beispielsweise durch Regulation des Stoffwechsels und der Genexpression zu reagieren und ihr Überleben zu sichern. In mehrzelligen Organismen ist die zelluläre Signaltransduktion zusätzlich ein wichtiger Bestandteil der Verarbeitung innerer (z. B. Blutdruck, Hormone und Neurotransmitter) und äußerer Reize (z. B. Sehen, Hören, Riechen). Wichtige biologische Prozesse, die durch Signaltransduktion reguliert werden, sind u. a. Immunreaktion, Sehvorgang, Geruchssinn, Muskelkontraktion, Zellproliferation und Gentranskription. 

Behandlungsschema (PZT)Das Wesen des PZT ist die Wiederheranführung des Pferdes an normale und anatomisch physiologisch korrekte Bewegungsabläufe.

Auch hier wie auch bei allen anderen Formen der Behandlung ist nach einem, dem Patienten Pferd individuellem Anwendungsplan vorzugehen.

Die Behandlung stützt sich auf eine vom Tierarzt gestellte Diagnose, aus welcher der Behandlungsbedarf abzuleiten ist.

Anwendung:

Grundlegend stellt eine Indikation für eine PZT– Behandlung eine mögliche weitere Anwendungsindikation dar.  (Manuelle Therapie, Elektrotherapie usw…).

Da es sich bei dieser Anwendung um eine (im Wesentlichen) „Neuprogrammierung“ eines posttraumatischen Bewegungsmusters handelt, ist der Zugang zum Pferd:

...über den behandelnden Tierarzt zu gestalten!

 Angepasst an mögliche, eintretende Bewegungsschmerzen(Überbelastung)

Beobachtung des Tieres während der Führung.

 Angepasst an mögliche, auftretende Bewegungsängste (Schmerzerfahrung)

Tempo gibt das Pferd vor, nicht der Trainer!

 Wahrnehmungsqualität (Tiefensensibilisierung der Strukturen)

Behandlungspfad, selektiver Untergrund (je Feld mindestens 4 volle Schrittlängen)

 Dauerder Anwendung

Jedes PZT Training richtet sich Grundlegend an der Compliance des Pferdes aus. Diese ist bei gebotenem, sensiblem Zugang durch den Therapeuten entsprechend länger und effizienter. Als Vorgabe sollte ein PZT Training in der Regel ca. 60 Minuten dauern. Je nach Indikation.

 Steigerung der Belastung

Je nach Behandlungserfolg, nicht Dauer, sondern Form der Belastung. (Steigungen oder schweres Terrain in Pfad einbauen).