Futtertechnik - Futterkunde

Ein Lebewesen stellt im Wesentlichen eine biochemische Verbrennungsmaschine dar. Aber: Die komplexeste, die wir derzeit kennen! Oder: Die Grundlage des Lebens ist eine verzögerte Knallgas– Reaktion! A. PINTER, 2008

Der Stoffwechsel

Mit Stoffwechsel wird die Verarbeitung und Verwertung von Nahrungselementen im Kontext der Energiegewinnung für die Lebensvorgänge sowie im Rahmen des Aufbaus (z. B. Wundheilung, Wachstum), des Abbaus, (z.B. bei Gewichtsabnahme) und des ständig ablaufenden Umbaus von Stoffen im Körper bezeichnet. Nahrungselemente: • Kohlenhydrate (z.B. Zucker, Stärke ) • Fette (z.B. Öl) • Eiweiße (auch Proteine genannt) • Mikronährstoffe (Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine). Kohlenhydrate und Fette liefern Energie. Proteine stehen dem Körper vorwiegend als Baumaterial zur Verfügung.

Der Stoffwechsel beginnt mit der Verdauung. Bei der Verdauung werden in Maul, Magen und Darm die Nährstoffe aus der Nahrung herausgelöst und in kleinere Einheiten zerlegt. Dabei entstehen aus den Kohlenhydraten verschiedene Einfachzucker, aus den Proteinen die Aminosäuren und aus Fetten kleinere Fetteinheiten. Reduced to the Maximum. Diese Nährstoffe gelangen ins Blut und werden zu den verschiedenen Organen transportiert. In den Organen werden sie durch chemische Reaktionen schrittweise in kleinere Bruchstücke zerlegt. Bei jedem Schritt wird Energie freigesetzt. Energie ist die Grundlage für alle körperlichen Leistungen des Pferdes. Viele „Crackparts“ der zerlegten Nährstoffe dienen auch als Baumaterialien für Zellen, Gewebe und Organe des Körpers.

Der gestörte Stoffwechsel

Angeborene Stoffwechselkrankheiten
Von einer Stoffwechselkrankheit spricht man, wenn bei einem Pferd ein bestimmter Schritt im Stoffwechsel nicht richtig abläuft, funktioniert. Ein solcher Fehler im Stoffwechsel ist meist angeboren und Folge einer gestörten Enzymfunktion. Der Grund dafür ist ein Fehler im Bauplan, d.h. in der Erbanlage für dieses Enzym, der dem Fohlen von den Eltern übertragen wurde.

Bei einer gestörten Enzymfunktion kann der Schritt im Stoffwechsel, für den das Enzym erforderlich ist, nicht stattfinden. Dies führt zum Anstau, aber auch zum Fehlen von Stoffwechselprodukten. Der Körper wird von einem angestauten Stoffwechselprodukt “überschwemmt”. Die Überschwemmung kann dem Körper schaden und führt zu Krankheitszeichen. Andererseits kann auch der Mangel eines Stoffwechselprodukts nach dem Hindernis zu Krankheitszeichen führen.

Eckdaten für den Stoffwechsel

Atemminutenvolumen 120 ml/ kg/ min Fohlen 500 ml / kg/ min
Atem 8-16 Atemzüge/ min
Puls 28-40 Schläge/min
Temperatur bis 2 Jahre 37,5 C° - 38,4 C° älter als 2 Jahre 37,5 C°- 38,2 C°
Wasserbedarf 30 - 60 l / Tag
Freßverhalten: 1 kg Heu / 40 min
Ölzufütterung: maximal 300ml (entspricht Inhalt von einer Cola Dose) Pflanzenöl pro Tag (langsam steigern)
Komforttemparatur: minus 15° bis plus 25°, Optimum bei 5° trockener Kälte, mit normalem Winterfell beginnen Pferde erst bei minus 10° über vermehrten Stoffwechsel zu “heizen”, Neugebohrene Fohlen sind relativ kälteimpfindlich!
Optimale Stalltemperatur: 0° bis 15°, Zugluft ab Windgeschwindigkeit 0,2 - 0,5 meter/sek

Das Pferd unter Belastung
Binnen 10 Tritten wird ca. 1 Liter Blut in jedem Huf umgewälzt
Erreichte Maximalgeschwindigkeit 72 km/h
Maximaler Galoppsprung 7 bis 8 m
Maximale Dauerdurchschnittsgeschwindigkeit auf 160 km Distanz 12 bis 20 km/h
Maximale Belastung pro Bein bei Landung beträgt das 2,5 fache des Körpergewichtes (bei einem 600 kg Pferd sind das 1,5 Tonnen).

Herzleistung
Ruhe 30- 40 Schläge/ min
Schritt 60- 90 Schläge/ min
Trab 90- 250 Schläge/ min
Galopp 110-250 Schläge/ min

Atem
Ruhe 8-16 Züge/ min
Schritt 60- 90 Züge / min
Trab 80-130 Züge/ min
Galopp 110-140 Züge/ min

Sauerstoffverbrauch
Ruhe 1,4 - 2,1 Liter / min
Schritt 10 - 20 Liter / min
Trab 20 - 70 Liter / min
Galopp 20 - 80 Liter/ min


Luftdurchsatz / Ventilation der Lunge
Ruhe 30- 90 Liter/ min
Schritt 80- 250 Liter/ min
Trab 250- 1500 Liter / min
Galopp 800- 2200 Liter / min

Schweißverlust
Leichte Arbeit 0,75 Liter / 100 kg LGW
Mittlere Arbeit 1,5 Liter/ 100 kg LGW
Schwere Arbeit 3,5 Liter / 100kg LGW
Extrem schwere Arbeit 20 Liter/ 100kg LGW


Fütterungstechnologie - Grundlagen

Die Zunahme der chronischen Erkrankungen beim Pferd in immer jüngeren Jahren ist eine bedauerliche Tatsache.
Allein der Umstand, dass die Nachfrage nach Pferdekliniken ständig zunimmt, zeigt diese
Entwicklung eindrucksvoll.
Weitverbreitete Probleme mit dem Bewegungsapparat −von chronischen Lahmheiten bis zu Rücken− und Muskulaturproblemen − sind oftmals ein häufiger Grund für das Ausscheiden schon junger Pferde aus der reiterlichen Nutzung.
Aber auch Atemwegerkrankungen, Stoffwechselstörungen, mangelnde Leistungsfähigkeit, etc., nehmen einen breiten Raum ein.
Statt Spaß am Reiten und an der Haltung gesunder Pferde zu haben, zwingt
diese Entwicklung immer mehr zur Auseinandersetzung mit Haltungs−,
Fütterungs− und Trainingsfragen.
Die Fütterung stellt einen entscheidenden Faktor bei der Gesunderhaltung der Pferde dar.


Kraftfutter:
unter Kraftfutter versteht man nicht: „pelletierte Kraftfutter“ sondern energiereiche Getreide.
Die Nutzbarkeit von Getreide ist für das Pferd eher eingeschränkt, da nur einige Getreidesorten geeignet sind:

Hafer:
das traditionelle Korn für die Pferdefütterung in Europa ist energiereich und relativ eiweißarm (im Eiweiss/Energieverhältnis wesentlich eiweßärmer als handelsübliche, sogenannte Kraftfutter). Bemerkenswert ist der hohe Anteil an wertvollen Fettsäuren, der den Hafer vor den anderen Getreiden für Pferde auszeichnet. Die Energie des Hafers ist hochverdaulich und tritt relativ schnell in den Stoffwechsel ein (frühe Verdauung im Verdauungstrakt).
Die Eignung des Hafers für Pferde schwankt sehr stark mit der verwendeten Qualität.
Selbstverständlich sollte Hafer frei von Krankheiten sein.
Sie erkennen Krankheiten des Hafers an gräulichen Verfärbungen (nicht zu verwechseln mit der Farbgebung des Schwarzhafers) und muffigem, dumpfem Geruch.
Das Haferkorn muss voll und gut geschlossen sein. Lose abstehende, grosse
Spelzen deuten auf mangelnde Qualität.
Die Qualität im Bezug auf den Energiegehalt des Hafers lässt sich über das Liter− bzw. Hektolitergewicht feststellen. Hafer für Renn− und Hochleistungspferde muss ein Litergewicht von mehr als 600g/Liter aufweisen.
(Füllen Sie einfach ein Litermass mit Hafer und wiegen Sie das Nettogewicht).
Hafer mit einem Litergewicht unter 550g/Liter ist für Pferde nicht akzeptabel, da der Anteil an Eiweiss und Rohfaser zu hoch und der Anteil an verdaulicher Energie zu gering ist.
Selbstverständlich sind Verunreinigungen im Hafer wie Erde, aber auch Beimengungen von undefinierbaren Pellets oder Raps nicht akzeptabel.
Das Aminosäuremuster des Hafers ist unausgeglichen und bei einer reinen Haferfütterung (zu Heu) muss das Aminosäuremuster ergänzt werden, da es sonst zu Mangelerscheinungen kommt!
Hafer wird ganz oder gequetscht verfüttert, die Verdaulichkeit des Hafers
nimmt durch Quetschung um ca. 10% zu.

Gerste:
Gerste ist das traditionelle Pferdekorn des Orients. Gerste ist energiereich und eiweißarm.
Sie weist ein noch günstigeres Eiweiß/Energieverhältnis auf als Hafer. Die Energie der Gerste fließt langsamer in den Stoffwechsel des Pferdes ein als beim Hafer oder Mais. Daher macht Gerste weniger „kernig“ als Hafer oder Mais, gibt aber ebensoviel Energie.
Gerste ist das Allroundgetreide für gemischte Pferdebestände, da sie sowohl von Hochleistungspferden, als auch von normal arbeitenden Pferden sowie von Arabern und Ponys bestens vertragen wird und eine hervorragende Kraftfuttergrundlage darstellt.
Einzige Ausnahme sind aktive Rennpferde, die einen höheren Anteil an „schneller Energie“ benötigen, die von der Gerste nicht geliefert wird.
Gerste wird gequetscht verfüttert. Von einer Flockung (wie in Müslis) der Gerste ist Abstand zu nehmen, da die Flockung zur Denaturierung einiger Bestandteile führt und den Allergengehalt für Pferde erhöht.
Auch eine Schrotung ist nicht ratsam, da Gerstenschrot trocken verfüttert zu Magensteinen führen kann.
Gerste kann auch als ganzes Korn verfüttert werden, es gibt jedoch eine sehr geringe Anzahl Pferde, die durch Ausspülung von unzerkauten Gerstenkörnern aus dem Magen −durch Saufen nach dem Fressen − über die kurze Magenpassage − in den Dünndarm zu Krampfkoliken neigen.
Der beste Weg ist also die Verfütterung von gequetschter Gerste, da auch die Verdaulichkeit gegenüber dem ganzen Korn um bis zu 15% zunimmt.
Gerste hat im gequetschten Zustand eine längere Lagerfähigkeit, da sie nicht wie der Hafer zu enzymatischer Oxidation neigt.
Gerste muss selbstverständlich frei von Krankheiten (graue Beläge und muffiger, dumpfer Geruch) und sauber sein (doppelt gereinigt). Das Korn muss voll und bauchig sein. Das Litergewicht hat nicht die gleiche Bedeutung wie beim Hafer, sollte aber über 600g liegen.
Eine Unterscheidung in Sommer− oder Wintergerste, sowie die Bezeichnung „Brauereigerste“ spielen keine Rolle sofern die Qualität gut ist.
Gerste ist für Pferde hochverdaulich. 0,9 kg Gerste füttern wie 1 kg Hafer.
Bei der Umstellung von sogenannten Kraftfuttern auf Gerstenfütterung muss die Kraftfuttermenge mind. um 1/3 gekürzt werden, um Überfütterung und deren Folgen zu vermeiden, da Gerste wesentlich hochwertiger ist als die allermeisten Kraftfutter, die auf dem Markt erhältlich sind (z.B. 2 kg Gerste ersetzen 3 kg pelletiertes Kraftfutter).
Gerste hat ein ausgeglicheneres Aminosäuremuster als Hafer, muss aber mit essentiellen Fettsäuren ergänzt werden.
Mais (Körnermais nicht etwa Maissilage):
Körnermais ist das traditionelle Kraftfutter der neuen Welt. Mais ist sehr energiereich und eiweißarm, allerdings sind die enthaltenen Eiweiße von sehr minderwertiger Qualität, so dass Mais keinen Beitrag zur Versorgung des Pferdes mit essentiellen Aminosäuren leistet.
Mais liefert sehr schnelle Energie, was seinen erfolgreichen Einsatz im Hochleistungsbereich des Pferdesports begründet. Die Energie des Mais eignet sich in erster Linie zur Verstoffwechselung in Bewegungsenergie, daher stellt Mais kein geeignetes Kraftfutter zur Bereitstellung der Grundenergieversorgung dar.
Aus diesem Grund wird Mais in Rationen zum Erhaltungsbedarf und für normal arbeitende Pferde höchstens bis zu einem Prozentsatz von 15 v.H. eingesetzt.
Ansonsten kann es zu angelaufenen (geschwollenen) Beinen und Störungen des Allgemeinbefindens und der Leistungsfähigkeit kommen.
Im Hochleistungsbereich, insbesondere im Rennsport, kann Mais (als Maisflocke) mit bis zu 45% der Kraftfutterration erfolgreich eingesetzt werden.
Mais wird als ganzes Korn oder als Maisflocke verfüttert. Von der Verfütterung von gebrochenem Mais sollte Abstand genommen werden, da dieser von den Pferden nicht gerne gefressen wird.
Mais muss sauber und von goldgelber Farbe sein. Beläge und Verfärbung deuten auf Krankheiten des Korns hin.
Bei nicht ganz gesundem Mais verweigern die meisten Pferde sofort die Futteraufnahme.
Mais zeichnet ein zu ergänzender Mangel an essentiellen Aminosäuren und essentiellen Fettsäuren sowie ein hoher Anteil an Beta−Carotin aus.
Mais ist also als Grundlage für das Kraftfutter nicht geeignet, als Beimengung von 10 − 15% zu Gerste oder Hafer aber nützlich und im Bereich schneller Arbeit (Rennsport) mit sehr guten Ergebnissen (als Maisflocke) auch im Bereich von 20 − 45% einsetzbar.

Andere Getreide:
Roggen, Weizen und Triticale sind in der Fütterung von Rennpferden und modernen Warmblütern abzulehnen.

Die stoffwechselbelastende Wirkung des Roggens ist seit Generationen bekannt und rührt nicht von einer evtl. vorhandenen Mutterkornbelastung her (wie bei der Schweinefütterung), sondern liegt im Korn selbst begründet.
Roggen ist darum, trotz einiger anders lautender Veröffentlichungen von Theoretikern, in der modernen Pferdefütterung abzulehnen. Das Gleiche gilt für Weizen.
Wobei beim Weizen die Probleme nicht vom Eiweißanteil herrühren, sondern von der Weizenstärke, die vom Pferd nicht gut verstoffwechselt wird und zu Belastungen führt. Selbst der Aufschluss der Weizenstärke durch Extrusion kann diese Eigenart des Weizens nicht beheben.
Weizen ist darum in der Pferdefütterung unangebracht und kontraproduktiv, auch wenn die theoretischen Werte verlockend aussehen.
Dinkel wird in verschiedenen Pferdefuttern seit einiger Zeit eingesetzt. Diesen Hang zur Extravaganz bezahlt das Pferd mit mangelnder Leistungsfähigkeit und Stoffwechselbelastungen.
Der Einsatz solcher als exotisch zu bezeichnenden Getreidesorten ist abzulehnen, da er zwar das Bedürfnis der Marketingabteilungen nach Alleinstellungsmerkmalen befriedigt, aber zu keinen guten Fütterungsergebnissen führt.

Pelletierte Kraftfutter:
Herkömmliche Pferdekraftfutter in pelletierter Form weisen fast sämtlich einen hohen Anteil an Komponenten auf, die in Kraftfuttern für arbeitende Pferde nichts zu suchen haben.
Hierzu gehören: Grünmehle, Haferschälkleien, Maiskleber und Maiskleberfutter, Nachmehle, etc..
Bestenfalls findet man − wenn überhaupt − wertvolle Komponenten, wie Hafer, Gerste oder Mais an dritter oder vierter Stelle deklariert, alle anderen Massenkomponenten sind minderwertig oder ungeeignet.

Nicht umsonst weisen die Hersteller zumeist den Energiegehalt nicht aus, weil dieser viel zu niedrig ist. Eiweiß/Energieverhältnisse von 10:1 (die 1 bezeichnet immer den Energiegehalt in MJ, die große Zahl den Eiweißgehalt in g/kg, d.i. für ein Futter mit 10 Mj Energie und 11% Rohprotein ein Eiweiß/Energieverhältnis von 11:1) oder schlechter sind nicht die Ausnahme sondern leider die Regel.
Herkömmliche pelletierte Kraftfutter haben darum in der modernen Pferdefütterung nichts zu suchen, es sei denn sie bestehen in der Masse aus Hafer, Gerste oder Mais und zeigen damit eine ockergelbe Farbe und einen hohen Energiegehalt.
Gras und konservierte Grasprodukte

Gras
Gras zeichnet sich durch einen hohen Eiweiß− und relativ geringen Energiegehalt aus. Dabei gilt je jünger und blattreicher das Gras, desto höher der Eiweißgehalt.
Gras als alleinige Futtergrundlage ist für Reitpferde aus diesem Grund abzulehnen und diese Art der Fütterung führt zu gesundheitlichen Problemen.
Das Argument, dass Gras die natürliche Ernährung der Pferde darstellt und darum als alleinige Futtergrundlage dienen kann oder soll, ist falsch.
Denn erstens sind die heutigen Reitpferde aus edlem orientalischen Blut gezogen, im Orient ist die Grasgrundlage bekannter maßen wesentlich karger und damit eiweißärmer. Zweitens gibt es in der Natur keine Reitpferde, sondern Zuchtpferde −und für tragende bzw. laktierende Zuchtstuten stellen selbst hiesige Weiden eine passende Alleinfuttergrundlage dar − und drittens haben die kultivierten Grassorten genauso wenig mit ursprünglicher Natur zu tun wie die Bewegung unter dem Reiter mit der Flucht vor einem Raubtier.
Die Bewegung auf der Koppel ist andererseits für die Gesundheit von unschätzbarem Nutzen für die Gesundheit der Pferde. Ein 2−3 stündiger Aufenthalt auf einer großen und kargen Koppel hat noch keinem Pferd (auch keinem Hochleistungspferd) geschadet. Ausgenommen sind aktive Rennpferde, diesen ist nur ein Aufenthalt in großen Paddocks ohne Pflanzenwuchs zu gestatten.

Heu
Heu für Pferde muss „ stängelig“ und damit hart sein. Dieses pferdegeeignete Heu erhält man nur nach einem spät erfolgenden (ab Juni) ersten Schnitt.
Übertriebene Düngung der zu heuenden Flächen insbesondere im Frühjahr und damit die Verdrängung der für Pferde besonders wertvollen „stängeligen“ Grassorten zugunsten der eiweißreichen blattreichen Sorten hat zu unterbleiben.
Besonders wertvoll wegen seines hohen Energiegehaltes ist Pferdelischgrasheu, das aber schwer zu beschaffen ist.
Heu für Pferde sollte von frischem Geruch sein.
Heu ist die unersetzliche Rauhfuttergrundlage für Pferde und darf in keiner Ration fehlen.
Für einen arbeitenden Warmblüter sind 5 − 6 kg am Tag angemessen, bei hohen Kraftfuttergaben kann sich die Menge reduzieren. Hier sollte aber nicht von Halterhand reduziert werden, sondern eine ad libidum Fütterung (bis zur Sättigung) angestrebt werden.
Vollblüter im vollen Training reduzieren selbsttätig ihre Heuration bei 6 −8 kg Kraftfutter häufig auf 2 −4 kg.
Mangelhafte Heufütterung ist eine häufige Ursache für das wiederkehrende Auftreten von Koliken.

Grassilage , Anwelksilo, „Heusilo“
Siliertes Gras ist für Pferde ungeeignet.
Seiner Natur nach muss Gras für Pferde stengelig sein und weist damit einen hohen Rohfaseranteil auf. Futtermittel mit einem hohen Anteil an strukturierter Rohfaser sind aber verfahrensbedingt gar nicht zur sauberen Silierung geeignet (diese Binsenweisheit lässt sich in jedem landwirtschaftlichen Lehrbuch nachlesen), da nur eine ungenügende Verdrängung der Luft stattfindet.
Eine saubere Milchsäuregärung braucht aber einen kompletten Luftabschluss. Ansonsten kommt es zu Fehlgärungen und zur Schimmelbildung. (Ist an einem Silageballen äußerlich schon Schimmel zu sehen, ist der Ballen bis in den Kern toxisch. Aber auch ohne sichtbare Stellen von Schimmel, ist eine Kontaminierung sehr wahrscheinlich.)
Da Pferde auf fehl- gegorende Silageprodukte (im Gegensatz zu Rindern) sehr empfindlich reagieren (von der Erkrankung der Stoffwechselorgane mit ihren Folgewirkungen wie Gelenksentzündungen, Muskelschmerzen, etc., bis zu Hautaffektionen und schwersten Koliken) und eine durchgehend saubere Silierung von pferdegeignetem Gras kaum möglich ist, ist auf die Verfütterung von silierten Produkten zu verzichten, sofern dem Besitzer etwas an der Gesundheit und Leistungsfähigkeit seines Pferdes liegt.
Nur eine Handvoll Grassilo täglich bei einem im Training stehenden Vollblüter führt innerhalb von 1 − 2 Wochen zur kompletten Zerstörung seiner Rennleistung und zu schweren Leber− und/oder Nierenaffektionen. Darum wird man in Rennställen niemals silierte Futtermittel finden. Diese Tatsache sollte zu denken geben, denn die gleichen krankmachenden Stoffe schädigen auch die Gesundheit der Warmblüter, nur dass die Folgen − je nach Arbeitsbeanspruchung − z.T. erst Jahre später zum Vorschein kommen. Wer also Silage füttert, sollte die Schuld an ständigen Problemen mit den Pferden nicht auf die neue Weichheit der heutigen Pferde schieben, sondern die Fütterung auf pferdegeeignetes Raufutter umstellen.

Karotten und Futtermöhren
Karotten und Futtermöhren sind für Pferde geeignet und positiv, wenn sie von einwandfreier Qualität sind. Nichts verdirbt so schnell, wie gewaschene Karotten, darum achten sie auf einwandfreies Äußeres und einwandfreien Geruch. Zeigen die Möhren nur die geringsten Anzeichen von Verderbnis, ist wegen der hohen Toxinbelastung und der Kolikgefahr von einer Verfütterung Abstand zu nehmen.
Kolikempfindliche Pferde sollten aus diesem Grund und weil Futtermöhren leicht abführend wirken aus Sicherheitsgründen nicht mit Karotten/Futtermöhren gefüttert werden.
Futtermöhren müssen sauber sein (frei von Erdanhaftungen) und bei der Verfütterung größerer Mengen müssen wegen ihres Blausäuregehaltes die Köpfe entfernt werden.
Karotten/Futtermöhren können an Leistungspferde mit bis zu 3 kg am Tag gefüttert werden, bei trainierten Rennpferden mit 0,5 − 1 kg täglich.
Runkeln: Für Runkeln gilt prinzipiell das gleiche wie für Futtermöhren. Man verfüttert entweder Runkeln oder Futtermöhren.
Stroh: Stroh ist neben Einstreu auch ein Futtermittel. Geeignet sind als Futter: Haferstroh, Gerstenstroh und Weizenstroh.
Stroh ist reich an Rohfaser und enthält relativ zum Eiweiss viel Energie. Stroh muss sauber in der Farbe und möglichst frei von grauen Belägen sein.
Insgesamt graues oder stark staubiges Stroh ist als Futter nicht geeignet. Stroh kann mit 1 − 2kg zusätzlich zur Heuration gefüttert werden. Grosse Strohmengen können zu Verstopfungen führen.
Diätetische Komponenten
Weizenkleie ist eine wertvolle diätetische Komponente. Sie ist reich an essentiellen Eiweißen und hat eine gute darmregulierende Wirkung.
Weizenkleie wird bei arbeitenden Warmblütern und bei Vollblütern mit bis zu 5% in der Ration eingesetzt, darf aber nicht allein sondern muss im Verhältnis 1 : 5 mit Korn verfüttert werden, um Schlundverstopfungen und Magensteine zu verhindern.
Weizenkleie kann auch im sogenannten Mash mit lauwarmen Wasser angerührt verfüttert werden. Bei der Verfütterung von Weizenkleie ist dringend auf einen Ausgleich des hohen Eiweißanteils zu achten. Als Mengenfuttermittel ist Weizenkleie für arbeitende Pferde und Pferde im Erhaltungsbedarf nicht geeignet.
Melasse :Zuckerrübenmelasse wird als diätetisches Futtermittel zur Appetitanregung verwendet. Sie hat von ihren Nährwerten her keine besondere Bedeutung, wird aber als Geschmacksregulanz in den sogenannten Pferdemüslis eingesetzt. Wegen der Verderblichkeit der Melasse bedürfen melassierte Futtermittel einer Konservierung mit Propionsäure, Zitronensäure oder anderen Mitteln.

Zuckerrübenschnitzel (Trockenschnitzel)
Auch Zuckerrübenschnitzel dienen − wenn Sie teilmelassiert sind − als appetitanregender Zusatz. Zuckerrübenschnitzel müssen vor der Verfütterung mindestens 8 Stunden in reichlich Wasser eingeweicht und dürfen niemals trocken verfüttert werden, um der Gefahr von Schlundverstopfungen vorzubeugen. Trockenschnitzel haben aus diesem Grund auch nichts in pelletierten Futtermitteln zu suchen. Trockenschnitzel sind kein Massenfuttermittel, da sie Stoffwechselbelastungen auslösen und dürfen höchstens mit einer Menge von 3 v.H. zugefüttert werden.

Erbsen
Erbsen sind ein hervorragender Lieferant essentieller Aminosäuren und hochwertiger Energie. Mit ihrem Aminosäuremuster gleichen Erbsen in hervorragender Weise das
Eiweißmuster getreidereicher Rationen aus. Erbsen sollten mindestens durch Flockung teilaufgeschlossen, besser aber durch Extrusion vollaufgeschlossen werden, damit die Eiweiße optimal verstoffwechselt werden. Erbsen müssen wegen Ihres hohen Eiweißanteils mit anderen eiweißarmen Futtermitteln ausreichend kombiniert werden und sind darum nur von Fachleuten angemessen in die Pferderationen einfügbar.

Soja
Soja ist wegen seiner spezifischen Komplikationen bei der Verstoffwechselung in der praktischen Fütterung als Futterkomponente für Pferde abzulehnen.

Pflanzenöle
Pflanzliche Öle sind in der Pferdefütterung fast unersetzlich, da sie ein guter Lieferant von essentiellen Fettsäuren und von Energie sind. Allerdings reagieren Pferde ausgesprochen empfindlich auf verunreinigte oder minderwertige Öle. Es bedarf einiger Suche, um eine Ölqualität zu finden, die den hohen Ansprüchen der Pferdeleber genügt. Hier lediglich Lebensmittelqualität oder Markenöle zu verwenden, reicht bei weitem nicht aus. Pflanzliche Öle müssen passend zur Gesamtration eingesetzt werden und dürfen weder über− noch unterdosiert werden. Empfehlung für die Ölfütterung: Bis zu 0,5 g Pflanzenöl je kg Körpergewicht des Pferdes und auf 3 Mahlzeiten die Menge aufteilen.

Leinsamen
Leinsamen ist eine für Pferde sehr gut geeignete Ölfrucht. Leinsamen liefert neben vielen essentiellen Fettsäuren auch hochwertige Eiweisse und darmregulierende Schleimstoffe.
Wegen dieser darmberuhigenden Wirkung wird Leinsamen auch in sogenannten Mashs gerne eingesetzt. Leinsamen bedarf aber eines aufwendigen Kochens und Ziehenlassens, um eine enthaltene Blausäurevorstufe des Leinsamens zu neutralisieren. Bei der Extrusion wird Leinsamen gut aufgeschlossen und die reizenden Bestandteile des Leinsamens werden neutralisiert, ohne die wertvollen Inhaltsstoffe zu zerstören.

Kräuter
Kräuter sind für Pferde − bei der heutigen Heuqualität − als Ergänzung der Ration als äußerst wichtig einzuschätzen.
Kräuter sind Vitamin− und Mineralstoffreich und enthalten die immer mehr ins Bewusstsein drängenden Bioflavone, die allgemein als essentiell eingestuft werden.
Bioflavone sind chemisch nicht identifizierte pflanzliche Komponenten, die zum Teil wichtige Funktionen in der Ernährung übernehmen. Bioflavone verdienen den gleichen Status wie Vitamine, da sie bei Pferden lebenswichtig sind und über die Nahrung zugeführt werden müssen. Darum hat sich der Ausdruck „sekundäre Vitamine“ für die Bioflavone eingebürgert. Aber die Auswahl der für die Pferdefütterung geeigneten Kräuter bereitet zum
Teil erhebliche Schwierigkeiten, da nicht nur Apothekerwissen, sondern auch fundiertes Pferdewissen bei der Auswahl vonnöten ist.

Nicht alles, was für den Menschen gut und ungiftig ist, ist für Pferde auch geeignet.

So findet man immer noch Produkte, in denen für Pferde sogar belastende und
mindertoxische Kräuter verwendet werden. Zwei Beispiele sind die Verwendung von Zinnkraut − das dem Sumpfschachtelhalm verwandt ist − und Rosskastanienblättern in Pferdeergänzungsfuttern − die Rosskastanie ist nicht etwa nach dem Pferd benannt, weil sie besonders geeignet ist für Pferde, sondern weil sie für Pferde mindertoxisch ist (bei der Aufnahme großer Mengen kommt es sogar zu akuten heftigen Vergiftungserscheinungen).

Andererseits müssen Kräuter in Ergänzungsfuttern als Futtermittel, d.h.
zur dauernden Beifütterung geeignet sein und dürfen keine medikamentöse oder reizende Wirkung entfalten.

Kräuter in Ergänzungsfuttern müssen sich also am natürlichen Futteraufnahmeverhalten der Pferde orientieren, um dauerhaft durch die Bereitstellung von essentiellen Nahrungsbestandteilen die Pferdegesundheit zu fördern und nicht zu belasten.
Einerseits gehören alle enthaltenen Kräuter zum natürlichen Nahrungsspektrum der Pferde und anderseits werden die Kräuter durch die Extrusion gut und schonend aufgeschlossen und die wichtigen Inhaltsstoffe können so noch vor dem Blinddarmeintritt vom Pferd aufgenommen werden.

Vitaminierte und mineralisierte Futter
Als eine der größten Fehlentwicklungen in der Pferdefütterung darf wohl die Anreicherung der Pferdefutter mit synthetischen Vitaminen und übermäßigen Mineralstoff− und Spurenelementgaben angesehen werden.
Synthetische Vitamine bzw. Spurenelemente erkennen Sie an der Verpackungsaufschrift „Gehalt an Zusatzstoffen“.
Dass synthetische Vitamine z.T. hormonelle und pseudohormonelle Wirkungen entfalten, wurde völlig übersehen. So greift z.B. Vitamine D3 massiv in den Calcium/Phosphorstoffwechsel des Pferdes ein, sogar die völlige Entgleisung des Knochenstoffwechsels kann die Folge überhöhter Vit D3 Gaben sein. Aber auch ein Zusammenhang zwischen der Zunahme der chronischen Erkrankungen des Bewegungsapparates insbesondere bei jungen Pferden und der Verfütterung synthetischer Vitamine kann nicht ausgeschlossen werden.
So läuft z.B. die starke Zunahme des Erscheinens der Ataxien (Wobbler−Syndrom) zeitlich parallel mit dem vermehrten Aufkommen vitaminisierter und mineralisierter Kraftfutter für Pferde (das Wobbler−Syndrom beim jungen Pferd ist kausal auf eine Wachstumsstörung der Halswirbel zurückzuführen).

Analysenbeurteilung

Rohprotein
Unter Rohprotein versteht man den Eiweißgehalt des Futters. Die Proteine bestehen aus den verschiedenen Aminosäuren, die eine unterschiedliche Wertigkeit besitzen.
Proteine gehören zu den extrem wichtigen Nahrungsbestandteilen, da sie zur Regeneration fast aller Körperzellen über die Nahrung zugeführt werden
müssen.
Zu den Zellen, die auf eine angemessene Aminosäurezufuhr angewiesen sind, gehören unter anderem die Blutkörperchen, die Muskelzellen, Leberzellen, Hautzellen, etc., etc..
Fehlen bestimmte Aminosäuren oder werden sie dem Organismus nicht in ausreichender Menge zur Verfügung gestellt, werden die entsprechenden Zellen nur noch fehlerhaft reproduziert.
Mangelnde Leistungsfähigkeit der entsprechenden Zellen ist die natürliche Folge.
Aber auch körpereigene Enzyme, Hormone und Botenstoffe benötigen bestimmte Aminosäuren, um tadellos ihren Dienst versehen zu können.

Die sachgerechte Eiweißversorgung stellt ein großes Problem in der Fütterung von Leistungs− und Hochleistungspferden dar.
Einerseits müssen alle essentiellen Aminosäuren zur Verfügung gestellt werden, um die Regenerierungsfähigkeit und Leistungsfähigkeit der Zellen zu erhalten, andererseits reagieren gerade Leistungs− und Hochleistungspferde extrem empfindlich auf eine absolute oder relative Eiweißüberdosierung.

Es wird also ein Ergänzungsfutter benötigt, dass die essentiellen Aminosäuren dem Pferd zur Verfügung stellt, ohne das Pferd durch eine Erhöhung der relativen Eiweißmenge zu belasten.

Rohfett
Als Fettquelle kommen artgemäss nur pflanzliche Öle in Frage. Öle sind gute Energielieferanten, haben darüber hinaus aber weitere essentielle Funktionen im Körper zu übernehmen. Viele der ungesättigten Fettsäuren sind für den Körper lebensnotwendig, da sie wichtige Funktionen im Zellstoffwechsel übernehmen. Die Versorgung der arbeitenden Pferde mit ungesättigten Fettsäuren ist schwierig, da der Bedarf über eine Kornfütterung nur unzuverlässig gesichert werden kann. Aber die Auswahl geeigneter Öle für Pferde ist sehr schwierig. Das z.B. in vielen Kraftfuttern für Pferde eingesetzte Sojaöl liefert in der Praxis sehr unbefriedigende Ergebnisse und scheint mehr zu schaden als zu nützen, andere Ölsorten wie Rapsöl sind für Pferde völlig ungeeignet. Zusätzlich reagieren Pferde ausgesprochen überempfindlich auf verunreinigte Öle und Öle mit einem zu hohen Maß an freien Fettsäuren. Empfehlung: hochwertiges und sauberes Maiskeimöl und Zufuhr über Leinsamen.

Rohfaser
Die Rohfaserversorgung des Pferdes ist von entscheidender Bedeutung gerade in der Kolikprophylaxe. Rohfaser wird aber nur zum unwesentlichen Teil über das Kraftfutter zur
Verfügung gestellt. Vielmehr hat sich die Rohfaser des Heus als unabdingbar für die
Pferdefütterung gerade auch unter dem Gesichtspunkt der Kolikprophylaxe herausgestellt. Die Versuche die Rohfaserstruktur des Heus durch die alleinige Verfütterung
von Stroh und Kraftfutter zu ersetzen, dürfen praktisch als gescheitert bewertet werden.
Natürlich enthält auch Korn Rohfaser, die ihrer Struktur nach unterschiedlich ist.

So können Gerste und Hafer als darmfreundlicher eingestuft werden als der Mais, aber der Hauptlieferant für pferdegerechte Rohfaser und damit unersetzlich bleibt das pferdegerecht gewonnene Heu.

Rohasche
Die Rohasche ist im wesentlichen die Summe der Mineralstoffe der Futterration, d. i. die anorganischen Bestandteile. Die Rohasche beinhaltet auch wichtige Mineralstoffe wie Calcium, Phosphor, Magnesium, Kalium. Cave: Überdosierungen!

Für die Berechnung von Futtersubstanzen im Verhältnis zum Gewicht des Pferdes gibt es eine Rechenregel, die in guter Näherung als Grundlage dienen kann.
(Hochleistungspferde sollten den Gang auf eine geeichte Waage antreten).
Was versteht man unter guter körperlicher Verfassung?
Ein Pferd in guter körperlicher Verfassung hat einen muskulösen Hals ohne Fettansatz. Hoch angesetzte, gut entwickelte Halspartien dürfen nicht mit einem Fetthals verwechselt werden.
Seine Rippen stehen nicht sichtbar hervor, sollten aber fühlbar sein - allerdings muss dabei die Felldicke des Pferdes beachtet werden.
Es sollte keine Speckpolster entlang des Rückens haben und die Fortsätze der Rückenwirbel sollten gerade noch tastbar sein.
Seine Kruppe sollte wohlgerundet sein, mit einer dünnen Fettschicht Die Vorsprünge der Beckenknochen sollten allerdings unter der Haut fühlbar sein. Überprüfen Sie sorgfältig und kritisch die "Figur" des Pferdes. Das Zuziehen des Tierarzt ist grundsätzlich zu empfehlen.

Die fünf wichtigsten Bestandteile einer Futterration sind:

Wasser: Pferde sollten ständigen Zugang zu frischem, sauberen Wasser haben. Ein Pferd trinkt zwischen 22.7-90.9 Liter pro Tag. Die tatsächliche Menge hängt von seiner Bewegung, seiner Futterration, den Umgebungstemperaturen und anderen Faktoren ab.

Energie: Kohlenhydrate versorgen Ihr Pferd mit Energie und sind vor allem in Hafer, Weizen und Kraftfutter in Form von Stärke enthalten. Eine weitere sehr hoch konzentrierte Energiequelle sind Fette. Die Energie, die in Fetten und auch in den leicht verdaulichen Anteilen des Raufutters (Heu) enthalten ist, wird nur sehr langsam freigesetzt, während die Energie aus Getreide und Kraftfutter sofort zur Verfügung steht.

Proteine: Proteine sind unbedingt notwendig für den Aufbau und den Erhalt von Körpergeweben, wie z. B. Muskel. Sie sind in Gras, Heu und Silage enthalten.

Mineralstoffe: die wichtigsten Mineralstoffe sind Kalzium, Phosphor, Magnesium, Natrium, Kalium und Chlorid. Spurenelemente wie Kupfer, Zink und Selen sind ebenfalls wichtig, werden aber in viel geringerer Menge benötigt. Ein gutes Kraftfutter sollte diese Stoffe in den benötigten Mengen enthalten. Minerallecksteine oder Mineralfutter können ergänzend gefüttert werden.

Vitamine: Frisches Raufutter ist eine der hauptsächlichen Vitaminquellen für Pferde, und der Bedarf an den meisten Vitaminen kann durch frisches Gras, sei es durch Weidegang oder durch Verfütterung frisch geschnittenen Grases, gedeckt werden. Der Vitamingehalt in Heu nimmt mit der Dauer der Lagerung ab und sechs Monate altes Heu hat fast gar keine Vitamine mehr. Vitamin A wird häufig zugefüttert, da es sich positiv auf Fruchtbarkeit und Wachstum auswirkt. Vitamin E (häufig in Kombination mit Selen) ist wichtig für den Muskelstoffwechsel und Biotin hilft Haar- und Hufwachstum. Raufutter (Gras oder Heu) bildet die Basis einer Futterration für Pferde. Die Zusammensetzung und der Schnittzeitpunkt des Grases bestimmen den Energie-, Protein-, Mineralstoff- und Vitamingehalt des Futters. Weiden mit einem hohen Kleeanteil haben z. B. höhere Protein-, Kalzium- und Kaliumwerte. Je länger das Gras zum Wachsen Zeit hatte, desto mehr "verholzte" Anteile beinhaltet es. Kürzere Wachstumszeit hingegen bedeutet einen höheren Blattanteil und in den meisten Fällen höhere Energie- und Proteinwerte.

Eine ausgewogenen Futterration erfordert häufig die Zufütterung von Kraftfutter. Häufig ist diese Ergänzung nötig, um die optimale Versorgung des Pferdes mit Mineralstoffen und Vitaminen, die in zu geringen Mengen im Raufutter enthalten sind, zu gewährleisten. Bei Pferden, die stark in Anspruch genommen werden, ist es oft auch notwendig, Kraftfutter als Energiequelle zuzufüttern, da das Pferd sonst an Gewicht verlieren würde. Das ist vor allem im Winter der Fall, wenn zusätzliche Energie zur Aufrechterhaltung der Körperwärme verbraucht wird.

Was ist bei der Fütterung älterer Pferde zu beachten?

Wann gelten „alte“ Pferde als alt? Nach Literaturangaben, wenn sie 20 Jahre überschritten haben. In diesem Alter können Pferde aber durchaus noch Leistungen erbringen, wenn sie immer fachmännisch gehalten, bewegt und gefüttert wurden. Unter diesen Voraussetzungen können übliche Rationen ausreichen. Treten Zahnprobleme oder andere altersbedingte Erkrankungen auf, sind spezielle Fütterungs- und Diätmaßnahmen zu ergreifen.
Grundsätzlich wird das Futter von alten Pferden aber energetisch und eiweißmäßig etwas schlechter verwertet, was rationsmäßig zu beachten ist. Auch steigt der Bedarf an Vitaminen (A, D, E) und Spurenelementen (Zink, Selen). Diese Versorgung ist über geeignete Mineral- oder Ergänzungsfutter abzudecken. Calciumüberversorgungen sollten unbedingt vermieden werden, um Harnsteinbildung vorzubeugen (Ca:P-Verhältnis < 2:1).
Als Grundgerüst der Ration für alte Pferde dient hochverdauliches, nicht zu spät geschnittenes Heu. Qualitativ einwandfreie Ballensilage ist ebenfalls geeignet. Das Kraftfutter sollte besonderen Anforderungen entsprechen: Hafer möglichst gequetscht, Gerste und Mais nur in aufgeschlossener Form (hydrothermisch behandelt) anbieten. Gut vorgeweichte Trockenschnitzel (bis zu 200 g/100 kg Körpermasse) sind ebenso zu empfehlen wie 150 bis 200 g Bierhefe/Tag, wodurch die Dickdarmaktivität unterstützt wird. Mit Pflanzenölzusätzen (100 bis 150 ml/Tag, am besten Leinöl) kann die Energiezufuhr verbessert werden.
Mit Eiweißträgern ist sparsam umzugehen, dafür sollten hochwertige Proteinträger (Leinschrot, Sojaschrot in Mischfutter) verwendet werden. Einwandfreie Möhren sind immer zu empfehlen. Gesunde alte Pferde sollten mindestens drei Mahlzeiten am Tag erhalten. Jeder Zeit muss sauberes Tränkwasser zur Verfügung stehen.

Das Angebot an Futterzusatzmitteln für Pferde ist riesig.
Sind solche Zusätze überhaupt erforderlich und wenn ja, wann?

Bei korrekter Energie- und Nährstoffversorgung der Pferde kann man auf die meisten Zusätze verzichten. Besonders bewährt haben sich nur wenige Zusatzfutter. Für Leinöl liegen beispielsweise positive Erfahrungen vor. Neben einer verbesserten Energiezufuhr kann dieses Öl aufgrund der Omega-3-Fettsäuren entzündungshemmend wirken. Hierdurch kann der Heilungsverlauf bei Hufrehe beschleunigt werden. Zugaben von Zink und/oder Biotin verbessern die Hufqualität. Die Verabreichung muss jedoch über einen langen Zeitraum erfolgen.
Bekannt ist auch die Wirksamkeit von Vitamin E-Zulagen. Dieses Vitamin dient dem Muskelaufbau und wirkt speziell bei starker Beanspruchung des Pferdes. Vitamin E in Verbindung mit Selen ist zudem wichtig für die Immunabwehr. Sind Pferde häufig unruhig oder leicht erregbar, können Magnesiumergänzungen sinnvoll sein.
Über eine L-Carnitin Zulage, einer auf den Fettstoffwechsel wirkenden aminosäureähnlichen Substanz, lassen sich Leistungssteigerungen im Sport erzielen.
Besonders häufig werden irgendwelche Kräuterprodukte angepriesen. Deren Verwendung ist mit Skepsis zu betrachten. Unstrittig sind zwar die möglichen Wirkungen von Kräutern. Beim Pferd gibt es aber bisher nur wenige fachlich fundierte Studien über deren Effekte.

Auszug: Futtertechnologie/Food choach - Ausbildung ÖGPPT/Pferdephysiotherapie