Tierschutz und Ethik

Als Fachkreis um das Pferd liegt uns naturgemäß am Tierschutz größtes Interesse.

Anbei finden Sie Gesetze und Verordnungen, welche dem verantwortungsbewussten Pferdebesitzer als Selbstverständlichkeit dienen sollten.

Tierschutzgesetz – TSchG, BGBl. I Nr. 118/2004 1. Tierhaltungsverordnung, BGBl. II Nr. 485/2004 Tierhaltungs-Gewerbeverordnung, BGBl. II Nr. 487/2004 Seit 1. Jänner 2005 gelten neue Bestimmungen für die Haltung von Tieren.

Die generellen Bestimmungen sind im TSchG enthalten, und umfassen u. a: · Verbot der Tierquälerei; · Verbot der Tötung ohne vernünftigen Grund; · Verbot von Eingriffen, die nicht therapeutischen oder diagnostischen Zielen oder der fachgerechten Kennzeichnung von Tieren dienen; · Hilfeleistungspflicht; · Transport von Tieren; · Grundsätze der Tierhaltung; · Bauliche Ausstattung und Haltungsvorrichtungen; · Aufzeichnungspflicht über alle medizinischen Behandlungen der Tiere in Gewerbebetrieben und die Anzahl der toten Tiere; · Behördliche Überwachungsberechtigung; ·

Strafbestimmungen: - Verwaltungsübertretungen können mit einer Strafe bis zu € 7.500,-, im Wiederholungsfall bis zu € 15.000,- belegt werden, - In schweren Fällen der Tierquälerei ist eine Strafe von mindestens € 2.000,- zu verhängen; · In-Kraft-Treten und Übergangsbestimmungen: - Die neuen Regelungen treten für alle nach dem Inkrafttreten des Bundesgesetzes neu errichteten oder in Betrieb genommenen Anlagen in Kraft; - Bestehende Stallanlagen dürfen – soweit sie bisher dem Landesgesetz entsprechen – bestehen bleiben. Umbauarbeiten, die über eine Instandsetzung oder Ersetzung einzelner Elemente hinausgehen, sind entsprechend den ab 01.01.2005 geltenden Bestimmungen auszuführen. - Haltungseinrichtungen zur Anbindehaltung dürfen bis 31.12.2009 mit der Auflage weiterbetrieben werden, dass den Tieren täglich ein freier Auslauf zu gewähren ist (Sportbetätigung, Training, etc gilt nicht als freier Auslauf) und die Stände den Tieren genügend Bewegungsfreiheit wie ungehindertes Liegen, Zurücktreten, etc bieten müssen.

Die Anbindehaltung für Tiere bis zu einem Alter von 30 Monaten ist generell verboten, ebenso für Stuten beim Abfohlen sowie Stuten mit Fohlen bei Fuß. Die näheren Ausführungen für die Haltung von Pferden und Pferdeartigen (Esel, Maultiere und Maulesel) sind in den Verordnungen enthalten.

Zusammenfassung der wesentlichen Bestimmungen: · Die Böden der Ställe müssen rutschfest, die Liegeflächen der Tiere eingestreut und trocken sein. Alle Tiere müssen gleichzeitig und ungehindert liegen können. Boxentrennwände müssen einen direkten Sichtkontakt zu anderen Artgenossen ermöglichen. Bei Hengsten können die Boxentrennwände geschlossen ausgeführt sein, wenn sonstiger Sichtkontakt zu anderen Pferden besteht.

MIndesthöhe der Abtrennungen: bei Hengsten 1,3 x STM, bei anderen Tieren 0,8 x STM. · Die Anbindehaltung ist verboten. · Bei der Haltung in Einzelboxen betragen die Mindestmaße: Stockmaß bis cm Boxenfläche, m² Kürzeste Seite, cm 120 6,0 180 135 7,5 200 150 8,5 220 165 10,0 250 175 11,0 260 185 12,0 270 ab 185 14,0 290. Die Boxenfläche gilt auch für Stuten mit Fohlen bis zum Absetzen oder für zwei Fohlen bis zu einem Alter von einem Jahr. · Bei der Gruppenhaltung betragen die Mindestmaße: Stockmaß Boxenfläche für das Boxenfläche für Fressplatzbreite bis cm *) erste und zweite Tier jedes weitere Tier in cm 120 6,0 4,0 60 135 7,5 5,0 65 150 8,5 6,0 70 165 10,0 7,0 75 175 11,0 7,5 75 185 12,0 8,0 80 ab 185 14,0 9,0 85 *) Stockmaß im Durchschnitt der Gruppe In der Boxenfläche sind Fressstände nicht einzurechnen Absonderungsboxen müssen in ausreichendem Ausmaß zur Verfügung stehen. ·

Mehrmals wöchentlich ist eine ausreichende Bewegungsmöglichkeit sicherzustellen. · Umzäunungen von Koppeln und Ausläufen dürfen keine spitzen Winkel haben. Die Verwendung von Stacheldraht und Knotengitterzäunen sind verboten. · In geschlossenen Ställen müssen natürliche oder mechanische Lüftungsanlagen vorhanden sein. Es muß für einen dauernden und ausreichenden Luftwechsel ohne Zugluft gesorgt werden. · Steht den Tieren kein ständiger Zugang ins Freie zur Verfügung, müssen Ställe offene oder transparente Flächen, durch die Tageslicht einfallen kann, im Ausmaß von mindestens 3 % der Stallbodenfläche aufweisen. Mindestens 8 Stunden pro Tag ist eine Lichtstärke von mindestens 40 Lux zu gewährleisten. · Der Lärmpegel ist so gering wie möglich zu halten. ·

Kraftfutter ist entsprechend der Leistung und mindestens drei mal täglich Raufutter zur Verfügung zu stellen. · Bei Arbeitsleistung – Zugtiere, Lasttiere, sonstige Arbeit, unter dem Sattel, an der Hand, im Geschirr – sind ausreichende Ruhepausen sicherzustellen. Innerhalb von 24 Stunden ist eine durchgängige Ruhepause von acht stunden zu gewähren. Bei rationierter Fütterung ist nach der Fütterung eine Ruhepause von mindestens einer Stunde einzuhalten. In Gewerbebetrieben (Reit- und Fahrbetriebe) sind Pferden, wenn sie regelmäßig zu Arbeitsleistungen herangezogen werden, innerhalb einer Woche an mindestens zwei nicht aufeinander folgenden Tagen Ruhetage, an denen sie bewegt werden, zu gewähren. ·

Werden Pferde in Gewerbebetrieben zum Gespannfahren verwendet, darf das Gesamtgewicht der voll beladenen Kutsche bei ebener Strecke und glattem Untergrund das Dreifache der Summe der Körpergewichte aller vorgespannten Pferde nicht übersteigen. · Kranke oder sonst beeinträchtigte Tiere dürfen zur Arbeit nicht herangezogen werden. · Beim Sportpferd sind medikamentöse und nicht pferdegerechte Einwirkungen zur Leistungssteigerung verboten. · Es ist sicherzustellen, dass Anbindevorrichtungen und Ausrüstungsgegenstände Tiere nicht verletzen können, ein ungehindertes Fressen und Misten ist zu ermöglichen. Ausrüstungsgegenstände sind der Größe des Pferdes anzupassen. ·

Die Hufpflege ist regelmäßig und fachgerecht durchzuführen. Das Clippen der Tasthaare um Augen, Nüstern und Maul ist verboten. · Bei ganzjähriger Haltung im Freien muss für jedes Tier eine überdachte, trockene und eingestreute Liegefläche mit Windschutz zur Verfügung stehen. Allen Tieren ist gleichzeitiges ungestörtes Liegen zu ermöglichen. Es muß sichergestellt sein, dass die Tiere ständig ausreichend Futter haben, um den Energiebedarf zu decken. Im ständig benützten Fütterungs- und Tränkebereich muß der Boden befestigt sein. Kranke und verletzte Tiere sind gesondert und geschützt unterzubringen. ·

In Gewerbebetrieben ist für die Betreuung der Tiere eine ausreichend große Anzahl von geeigneten Betreuungspersonen einzusetzen. · In Reit- und Fahrbetrieben muss ausreichend qualifiziertes Personal für den Lehrbetrieb zur Verfügung stehen. Es gelten die Qualifikationskriterien des Bundesfachverbandes für Reiten und Fahren in Österreich (FENA) oder einer vergleichbaren ausländischen Organisation.

Die ethischen Grundsätze !

Wer auch immer sich mit dem Pferd beschäftigt, übernimmt die Verantwortung für das ihm anvertraute Lebewesen.

Übernahme von Verantwortung
Für das Pferd Verantwortung zu übernehmen, bedeutet nicht nur die Verpflichtung zu artgerechter Haltung, Fütterung und medizinischer Versorgung, sondern auch, die Nutzung des Pferdes nach seiner Veranlagung und seinem Leistungsvermögen auszurichten.
Achtung und Respekt des Menschen vor seinem Sport-, Freizeit- und Arbeitspartner Pferd sowie Verständnis für das Pferd sind die Grundvoraussetzungen fürein harmonisches Verhältnis miteinander.
Der Mensch wird nicht an der bloßen Tatsache gemessen, dass er das Pferd als Teil der Schöpfung, als ein Stück Natur, als Freizeit-, Arbeits- und Sportpartner erhält, sondern vor allem daran, wie er diese Aufgabe erfüllt.


Die Haltung des Pferdes muss seinen natürlichen Bedürfnissen angepasst sein.

Anpassen an natürliche Bedürfnisse
Verantwortung für das Pferd zu übernehmen, setzt umfangreiche Kenntnisse über dessen natürliche Bedürfnisse und Verhaltensweisen voraus. Tierliebe allein reicht für die Betreuung eines Pferdes nicht aus.
Der gesamte Organismus des Pferdes ist auf Bewegung und kontinuierliche Futteraufnahme eingestellt. Pferde, die ganztägig auf der Weide gehalten werden, verbringen viele Stunden am Tag mit der Futteraufnahme und legen während dieser Zeit große Strecken zurück. Auch darf nicht vergessen werden, dass das Pferd in Schrecksituationen als Fluchttier reagiert. Die lebensnotwendigen Instinkte des einstigen Steppentieres haben den jahrtausendelangen Prozess der Domestizierung überdauert. Dabei kommt in der Haltung den Kenntnissen über die Bedürfnisse des Pferdes nach Bewegung, Licht, Luft und Sozialkontakten größte Bedeutung zu.
Der verantwortungsbewusste Pferdefreund – egal, ob Züchter, Pferdehalter oder Sportler – muss für ausreichende, möglichst tägliche Bewegung des Pferdes sorgen. Nur ganz wenige, unausweichliche Zwänge gebieten, von dieser Regel abzuweichen.
Zugleich muss das Pferd in einem gut belüfteten Stall untergebracht sein, dessen Klima gemäßigt den Außentemperaturen folgt. Dunkle Ställe ohne natürliche Lichtquellen sind ebenso abzulehnen wie isolierte Einzelboxen, die dem Bedürfnis des Herdentieres nach Kontakt zu den Artgenossen nicht entsprechen.
Die Fütterung des Pferdes soll sich individuell an der Haltungsform, dem Entwicklungsstand, der Konstitution sowie an dem maß der Beanspruchung des Pferdes orientieren.


Der physischen wie psychischen Gesundheit des Pferdes ist unabhängig von seiner Nutzung oberste Bedeutung einzuräumen.

Gesundheit hat oberste Bedeutung
Wirtschaftliche Interessen des Züchters, Aufzüchters und Hengsthalters dürfen nicht zu Lasten der Haltung und natürlichen körperlichen Entwicklung des jungen Pferdes gehen.
Auch für den Pferdesportler gilt: Das Streben des Sportlers nach Sieg und Platzierung muss hinter der Gesunderhaltung des Pferdes und der dafür notwendigen Fürsorge zurückstehen.
Der Gesundheitsvorsorge und Gesunderhaltung des Pferdes muss auch der Freizeit- und Breitensportler höchste Bedeutung beimessen.


Der Mensch hat jedes Pferd gleich zu achten, unabhängig von dessen Rasse, Alter und Geschlecht sowie Einsatz in Zucht, Freizeit oder Sport.

Alle Pferde gleich achten
Das Pferd verdient als Geschöpf Achtung und Respekt. Die Wertschätzung des Menschen dem Pferd gegenüber muss grundsätzlicher Natur sein und darf nicht abhängig gemacht werden von der äußeren Erscheinung, dem Alter, der Rasse sowie dem Ansehen in Zucht und Sport. Jedes Pferd hat den gleichen Anspruch auf fürsorgliche Pflege und pferdegerechte Haltung.


Das Wissen um die Geschichte des Pferdes, um seinen Bedürfnisse sowie die Kenntnisse im Umgang mit dem Pferd sind kulturgeschichtliche Güter. Diese gilt es zu wahren und zu vermitteln und nachfolgenden Generationen zu überliefern.

Geschichte des Pferdes ist kulturgeschichtliches Gut
Wie kein anders Tier hat das Pferd die Entwicklungsgeschichte der Menschheit beeinflusst. IN seiner heutigen Form ist es nicht nur ein „Produkt“ der Natur, sondern auch Ergebnis langer züchterischer Bemühungen der Menschen.
Es gilt daher, das Wissen um die Bedeutung des Pferdes und seiner Wesensmerkmale als wichtiges Kulturgut der Menschen zu verdeutlichen.
Dabei ist jeder einzelne, der sich mit dem Pferd beschäftigt, zu verantwortungsbewusstem Umgang mit dem Pferd verpflichtet.


Der Umgang mit dem Pferd hat eine persönlichkeitsprägende Bedeutung gerade für junge Menschen. Diese Bedeutung ist stets zu beachten und zu fördern.

Persönlichkeitsprägende Bedeutung
Der Anfänger im Pferdesport lernt bei fachlicher Anleitung durch Lehrkräfte, Verantwortung für das ihm anvertraute Lebewesen zu übernehmen und die natürlichen Verhaltensweisen des Pferdes zur respektieren. Deshalb sucht der Reiter Fehler nicht zunächst beim Pferd, sondern bei sich. Mangelnde Selbstbeherrschung, Ungeduld und Aggressionen wirken sich negativ aus. Sie führen nachhaltig zu einer Störung der Harmonie zwischen Mensch und Pferd und können Schäden beim Pferd verursachen.
Die Erziehung zu Selbsterkenntnis und Selbstbeherrschung macht den pädagogischen Wert aus, den der Reitsport für Menschen aller Altersklassen bedeutet. Dabei sind Toleranz und Rücksichtnahme Grundvoraussetzungen für die gemeinschaftliche Ausübung des Pferdesports.


Der Mensch, der gemeinsam mit dem Pferd Sport betreibt, hat sich und das ihm anvertraute Pferd einer Ausbildung zu unterziehen. Ziel jeder Ausbildung ist die größtmögliche Harmonie zwischen Mensch und Pferd.

Ziel ist größtmögliche Harmonie
Solange der Mensch den Pferdesport ausübt, besteht die Verpflichtung zur Aus- und Fortbildung. Das Ziel der Ausbildung ist nicht das Beherrschen schwieriger Übungen, sondern die harmonische Übereinstimmung zwischen dem Menschen und seinem Pferd, unabhängig davon, ob das Pferd leistungs- oder breitensportlich orientiert eingesetzt wird.
Selbstkritik des Menschen ist im Umgang mit dem Pferd Voraussetzung für ein harmonisches Miteinander von Mensch und Pferd.
Fehlentwicklungen in der Gymnastizierung, Aus- und Fortbildung des Pferdes verursacht der Mensch. Vermeintliche charakterliche Mängel des Pferdes gehen oft auf falsche Behandlung des Pferdes zurück und dürfen zwar als Erklärung, aber nicht als Entschuldigung für das Scheitern einer Beziehung zwischen Mensch und Pferd herangezogen werden.
Probleme in der Ausbildung werden in der Regel weniger durch angeborene Mängel verursacht als durch fehlerhafte Einwirkung des Reiters.


Die Nutzung des Pferdes im Leistungs- sowie im allgemeinen reit-, Fahr- und Voltigiersport muss sich an seiner Veranlagung, seinem Leistungsvermögen und seiner Leistungsbereitschaft orientieren. Die Beeinflussung des Leistungsvermögens durch medikamentöse sowie nicht pferdegerechte Einwirkung des Menschen ist abzulehnen und muss geahndet werden.

Orientierung an Veranlagung, Leistungsvermögen und Leistungsbereitschaft
Voraussetzung für alle sportliche Nutzung und deren Grenzen muss die erwiesene Eignung des Pferdes für den jeweiligen Zweck sein. Von einem Pferd Leistungen zu verlangen, die es nicht erbringen kann, widerspricht ethischem Bewusstsein und ist tierschutzwidrig.
Zu den häufigsten missbräuchlichen Leistungsmanipulationen zählt die medikamentöse Beeinflussung, insbesondere das Doping. Während in Sportarten ohne den Partner Pferd Doping zunächst als Betrug des Sportlers an seinem Gegner und am Publikum geurteilt wird, ist Doping im Pferdesport vorrangig ein Verstoß gegen die Normen des Tierschutzes.


Die Verantwortung des Menschen für das ihm anvertraute Pferd erstreckt sich auch auf das Lebensende des Pferdes. Dieser Verantwortung muss der Mensch stets im Sinne des Pferdes gerecht werden.

Verantwortung für das Lebensende
Am Ende einer Beziehung zwischen Mensch und Pferde beweist sich das Verantwortungsbewusstsein gegenüber dem Lebewesen Pferd. In der Abwägung zwischen Leid und Leben muss der Mensch auch diese letzte Entscheidung übernehmen.
Hat der Pferdebesitzer sich zur Tötung seines Pferdes entschlossen, ist er oder eine Person seines Vertrauens verpflichtet, den Verbleib des Pferdes bis zum Tode zu überwachen. Hierbei sind Transportumstände und die Art der Tötung so zu wählen, dass ein unnötiges Leiden des Pferdes vermieden wird.