Trainingstechnologie

Auszug aus dem Skript: Trainigstechnologie für ÖGPPT Pferdephysiotherapeuten, Dr. med. vet. Astrid SCHWARZ, 2011, et al. Copyright!

Durch richtiges trainieren wird das Pferd Leistungsfähiger und schöner, es bleibt länger gesund - es entsteht ein Athlet!?

Sportliche Leistung setzt sich zusammen aus:

 Ererbter Veranlagung
 Anatomischen Bedingungen
 Physiologischen Bedingungen
 Innerer Gesamtverfassung(nervale, mentale, psychische Faktoren und
 Wettkampf, Training, Ausbildung


1. Ziel des Trainings ist

 die Verbesserung der Fitness, die Fähigkeit Leistung bei Belastung zu erbringen,
 die Ausdauerfähigkeit zu vergrößern und damit den Ermüdungszeitpunkt hinauszögern,
 die Steigerung der Geschwindigkeit,
 die Verbesserung biomechanischer Fähigkeiten,
 die Verbesserung der Sicherheit und Langlebigkeit der Sportkarriere eines Pferdes,
 den Erhalt der Arbeitswilligkeit und des Enthusiasmus des Pferdes für den Sport,
 das Erreichen des physiologischen Potentials des individuellen Pferdes.

Unter Athletik versteht man im Allgemeinen die Ausbildung und das Training der motorischen Grundfertigkeiten die man zusammen auch als Kondition bezeichnet.

In der Sportwissenschaft versteht man unter diesem Begriff nicht nur die Ausdauerleistungsfähigkeit sonder ebenso die Kraft, die Schnelligkeit und die Beweglichkeit. Diese motorischen Fertigkeiten bilden die Grundlage für jede Leistung, die der Reiter von seinem Pferd abrufen möchte.

 Ohne eine bestimmte Kraftfähigkeit wäre beispielsweise eine Piaffe oder ein Sprung über Hindernisse der höheren Klassen nicht möglich.

 Genauso wichtig ist die Ausdauerleistungsfähigkeit, welche nicht nur bei Distanz- oder Vielseitigkeitspferden mit ihren langen Wettkampfstrecken von großer Bedeutung ist, sondern die es auch allen andern Sportpferden ermöglicht sich über eine lange Saison mit vielen Turnieren und harten Trainingseinheiten fit zu präsentieren und sich in den mitunter kurzen Pausen gut zu erholen.

 Schnelligkeit gilt besonders für den Rennsport oder bei rasanten Stechen der Springreiter. Ebenso spielt Schnelligkeit auch dann eine wichtige Rolle wenn bei jedem Sprung egal ob im Parcours oder im Gelände dem Pferd in sehr kurzer Zeit hoch koordinative Aufgaben gestellt werden.
 Bei einer Trainingsgestaltung, die sich ausschließlich an der klassischen Reitlehre und beispielsweise an der Ausbildungsskala des Pferdes orientiert, werden die Fertigkeiten Ausdauer, Kraft und Schnelligkeit in der Regel nur als „positiver Nebeneffekt“ ausgebildet und im Vergleich zur vierten Grundfertigkeit, der Beweglichkeit deutlich vernachlässigt.

Durch das oberste Ziel „Durchlässigkeit“ mit welchem man in jeder Reitweise eine möglichst optimale Kommunikation und damit „Steuerung“ des Sportpartners erreichen möchte, ist es als erstes wichtig, dass das Pferd eine möglichst große Flexibilität in alle Richtungen und in den Bewegungsausmaßen hat oder diese durch Training entwickelt.

Die Lernphasen im Training gehen von der

• Grobkoordination zur
• Feinkoordination und letztendlich zur
• Automatisierung des Bewegungsablaufes.

 Bewegungslernen darf nie im Ermüdungszustand stattfinden, denn sonst schleichen sich falsche Bewegungsmuster ein, die sehr schwer wieder zu korrigieren sind und das Verletzungsrisiko steigt ebenfalls.

Trainingziele:
a) Kraft
b) Ausdauer
c) Beweglichkeit
d) Schnelligkeit
e) Psyche

A. Krafttraining – gezielter Muskelaufbau
 Kraft ist physikalisch das Produkt aus Masse und Beschleunigung.

 die Kraftfähigkeit ist eine konditionelle Fähigkeit eines Sportlers Widerstände durch willkürliche Muskelkontraktionen zu überwinden bzw. äußeren Kräften entgegenwirken zu können. Das Krafttraining wird charakterisiert durch eine lange Reizdauer, hohe Wiederholungszahlen, aber nur geringe bis mittlere Widerstandsgrößen.

 Die Kraftfähigkeit wird unterteilt in Maximalkraft, Schnellkraft und Kraftausdauer.
 Im Humansport gibt es zahlreichen Fitnessstudios und Trainingspläne

 Im Training unserer Pferde wird dies meist nur über komplexere Trainingsformen abgedeckt d.h. reiten von Lektionen oder Springen.

 Begrenzt wird die Kraftfähigkeit häufig durch die angestrebte Wettkampfleistung. Auf der anderen Seite gibt es auch Pferde, die die geforderten Aufgaben, seien es bestimmte versammelnde Dressurlektionen oder bestimmte Hindernisabmessungen, nicht erreichen können, weil ihnen die entsprechende Kraftfähigkeit fehlt.

 Für ein sichtbares Krafttraining wird eine Trainingsdauer von mind. ½ Jahr vorausgesetzt, bei 1-2 Trainingseinheiten pro Woche mit ungefähr 70% Maximalkraft.


Die Kraftleistung wird bestimmt durch:

 Statische Bewegungen=gegen einen fixen Wiederstand

 Dynamische Bewegungen= Beschleunigung einer Masse innerhalb eines Bewegungsablaufes


Leistungslimitierend bei der statischen Kraft wirken hier:

 Der Muskelfaserquerschnitt
 Die Muskelfaseranzahl
 Die Muskelfaserlänge
 Die Koordination
 Die Motivation


Leistungslimitierend bei der dynamischen Kraft wirken:

 Die statische Kraft
 Die Masse
 Die Kontraktionsgeschwindigkeit des Muskels
 Die physikalischen Gesetze
 Die stoffwechselbedingten anaeroben Mechanismen

Das Krafttraining führt zu strukturellen Anpassungsprozessen, dazu zählt die Muskelfaserhypertrophie mit der vermehrten Synthese von Muskelproteinen und einer Zunahme der Muskeldicke und -länge.

B. Die Ausdauerleistungsfähigkeit

 Ausdauer ist die Widerstandsfähigkeit gegenüber Ermüdung,

 Beim Ausdauertraining – egal mit welchem Sportpferd – ist das Trainingsziel die Optimierung von Stoffwechselprozessen. Das heißt, dass die Energie, die das Pferd über die Nahrung aufnimmt, auf einem möglichst ökonomischen Weg in den Muskelzellen in Bewegungen umgewandelt werden soll.

 Ausdauertraining ist ein qualitativer Anpassungsprozess dazu gehören die intrazelluläre Neuorganisation, wie die gesteigerte Aktivität von Enzymen des aeroben Zellstoffwechsels, sowie die Zunahme an Mitochondrien und Kapillaren, Ausdauertraining führt zu einem größeren Muskelwiderstand, einer verringerten Verkürzungsgeschwindigkeit und einer besseren Ausnutzung des Zellstoffwechsels.

 Das Hauptziel, eine bestimmte Leistung über relativ lange Zeit aufrechterhalten zu können ohne dabei allzu stark zu ermüden (Ermüdungsresistenz), weiters ist mit einer guten Ausdauer auch die Fähigkeit verknüpft, sich nach einer Belastung schnell wieder zu erholen (Regenerationsfähigkeit). Bei der Ermüdungsresistenz sind es vor allem Vielseitigkeits-, Distanz- oder Rennpferde, eine gute Regenerationsfähigkeit ist in allen Disziplinen wichtig.

Vier Faktoren beeinflussen die erzielbare Ausdauerleistungsfähigkeit

• das Anfangsniveau der aeroben Fitness
• Trainingsintensität
• Trainingshäufigkeit
• Trainingsdauer

Sportmedizin unterscheidet:

o Kurzzeitausdauer -wird als eine „spezifische Ausdauerfähigkeit für zyklische Disziplinen mit einer Dauer von etwa 35 Sekunden definiert
o Mittelzeitausdauer 2min – 10min
o Langzeitausdauer
Bereich 1 - 10-35min
Bereich 2 - 35-90 min
Bereich 3 - 90-360 min
Bereich 4 mehr als 360 min

C. Beweglichkeit – Koordination, Gymnastik fürs Pferd

 Koordination beschreibt das Zusammenwirken des Zentralnervensystems und der Skelettmuskulatur bei geplanten Bewegungsabläufen.

 Ausschlaggebend ist dabei die intermuskuläre Koordination. Zu den koordinativen Fähigkeiten zählen sowohl Technik und Bewegungsfertigkeiten, als auch Gleichgewichts-, Rhythmus-, Orientierung-, Reaktionsfähigkeiten.

 Beim Pferd spielt Koordination vor allem in der Ausbildung eine Rolle. So muss ein junges Pferd zunächst sein Gleichgewicht in der Bewegung und unter dem Reiter finden. Die Ausbildungsinhalte der FN beinhalten Takt, Losgelassenheit, Anlehnung, Schwung, Geraderichtung und Versammlung und betreffen u. a. koordinative Fähigkeiten.

 Die „klassische Reitlehre“ legt großen Wert auf die Gymnastizierung und die kommunikativen Elemente (Verständigung zwischen Reiter und Pferd / Hilfengebung. Dabei sollte aber nicht nur der Nutzen im Hinblick auf eine optimierte Wettkampfleistung gesehen werden.

 Unter der Fertigkeit „Flexibilität“ oder Beweglichkeit versteht man per
Definition in der Sportwissenschaft das Ausmaß der möglichen Bewegungsamplituden in den Gelenken.

Die Beweglichkeit ist abhängig von der individuellen Anatomie und Physiologie wird aber durch das Reiten positiv beeinflusst. Ein Training dieser Fertigkeit ist für alle Sportpferde von großer Bedeutung und dient der Gesunderhaltung.

D. Schnelligkeit - reine Nervensache

 Schnelligkeit ist physikalisch der Quotient aus Weg und Zeit.

 Die Fähigkeiten für Schnelligkeit sind stark anlagebedingt und die Leistungssteigerung erfolgt durch Verbesserung der Koordination und Reaktion.

Leistungsbegrenzend für die Schnelligkeit sind:

o Die Kraft
o Die Koordination
o Die Beweglichkeit
o Physikalische Gesetze
o Energiebereitstellung und Stoffwechselvorgänge

 Damit Pferde mit großer Schnelligkeit Hindernisse überwinden müssen die entsprechenden Muskeln entsprechend schnell über Nervenbahnen angesprochen werden. Ein solches „Training der Reizleitungen“ wird im Humansport mit Hilfe von Beschleunigungsübungen durchgeführt.

 Diese Methode lässt sich einfach in den Pferdesport transferieren. Voraussetzung ist jedoch ein Trainingsgelände, das genügend Platz und einen entsprechenden Boden bietet, der einem Pferd das Galoppieren mit hohem Tempo erlaubt.

o Beginnend mit kurzen leichten Steigerungen innerhalb des Galopps, weitet man die Übung nach und nach bis zur maximalen Beschleunigung aus dem Stand aus.

o Bei dieser Trainingsform ist zu beachten, dass nicht unbedingt die absolute Topgeschwindigkeit erreicht werden muss. Der Trainingseffekt wird hier durch die starke Beschleunigung erreicht.

o Es ist weiterhin wichtig, die Temposteigerung nur soweit „auszureizen“, wie es das kontrollierte Reiten erlaubt.

o Nach einer solchen Trainingseinheit, die nur mit einem gut aufgewärmten Pferd durchgeführt werden sollte, ist es unbedingt notwendig, eine ausgedehnte Cool-down-Phase mit gymnastizierendem Reiten oder einem Ausritt folgen zu lassen. Das Pferd sollte die Gelegenheit haben, sich nicht
nur körperlich sondern auch mental zu erholen.

 Das Krafttraining wie auch das systematische Schnelligkeitstraining ist selten auf dem Trainingsplan eines Sportpferdes zu finden. Auch im wissenschaftlichen Bereich gibt es noch wenige Erkenntnisse.

E. Psyche

 Die Verbesserung der Psyche ist ebenfalls ein Trainingsziel. Die Psyche wird beeinflusst durch genetische Veranlagung, Gesundheitszustand, Charakter, Temperament, Lernfähigkeit, Erfahrung und Motivation des Pferdes sowie sein Vertrauen zum Menschen.

 Vertrauen ist Grundlage des Gehorsams und damit weiterer Ausbildungsinhalte.

 Das Ziel der Ausbildung von Polizeipferden ist die Vermeidung von Stress, indem die Pferde an potentiell stressbehaftete Situationen gewöhnt werden. Dies wiederum erfordert das Vertrauen des Pferdes zum Reiter und stellt ein wesentliches Element in der Ausbildung von Polizeipferden dar.

Demzufolge ist Vertrauen die Basis sämtlicher Trainingsleistung und Motivation ein Schlüssel zur Leistungsfähigkeit eines Pferdes


2. Grundlagen der Leistungsphysiologie

Zielorgane
Knochen
Bänder-Sehnen
Gelenke
Hufe Nerven
Psyche Herz
Kreislauf
Lunge Muskulatur
Trainingsziel

Belastbarkeit
Koordination der Bewegung Ausdauer Kraft

Beweglichkeit
Reaktionsfähigkeit

Elastizität
Kooperation


Anpassung

Das Pferd ist seiner Natur gemäß ein Lauf- und Fluchttier. Schon aus diesem Grund ist es in der Lage, die physiologischen Vorgänge in seinem Körper in hohem Maße an den gesteigerten Bedarf bei großer Belastung, wie z.B. einer Laufleistung, anzupassen. Dies geschieht auf verschiedenen Ebenen.
2.1. Muskeln
 Muskeln besitzen einen sehnigen Ansatz und einen sehnigen Ursprung jeweils an Knochen, dazwischen befindet sich der Muskelbauch. Diese Ansatzstellen sind besonders bei jungen Pferden noch nicht belastungsfähig genug um die schnell wachsende Muskelkraft auszuhalten und sind daher oft Ursache für Schmerzen, Verspannungen und Lahmheiten. –Triggerpoints.
 Bei Jungen Pferden steigt im Training die Anzahl der einzelnen Fasern
 Bei einem älteren Pferd wird durch das Training der Durchmesser der Fasern erhöht. Durch den Gesamtquerschnitt steigt auch die Muskelkraft.
 Die Muskelmasse macht ca. 50% der Körpermasse aus.

Muskelafsertypen
 Die Muskelfaser ist die kleinste funktionelle Einheit des Muskels. Millionen von Muskelfasern bilden einen Muskel.

 Typ I - slow twitch(ST), Fasern, rote Fasern, langsamer und ausdauernder und ermüden langsamer, besonders aerobe Arbeit für Ausdauersport, Fette und Glykogen sin die Energiequelle

 Typ II A – fast twitch high oxidativ(FTH), Fasern, weiße Fasern, schnelle Fasern für Schnell und Maximalkraft, oft anaerobe Fasern bezeichnet, Milchsäure entsteht, besonders Hinterhand, Kohlenhydrate, Glykogen und Blutzucker sind die Energiequellen der Typ II Fasern

 Typ II B- fast twitch, für Langzeitleistungen

Die Anzahl ist genetisch limitiert. Vollblutzucht:Um die Reaktionsschnelligkeit und die Geschicklichkeit und Leichtfüßigkeit der Bewegungen zu verbessern braucht man die weißen Fasern, die bei schnellen Pferden auf kurzen Strecken zu finden sind. Da man aber außer der Tragfähigkeit ein hohes Maß an Haltemuskeln benötigt sind die schnellen Hengste mit hohem GAG nicht immer geeignet in der Reitpferdezucht
Typ I Typ II A Typ II B
Sauerstoffbindung
Hoch Mittel Gering
Gefäßdichte
Hoch Mittel Niedrig
Glykogengehalt
Mittel Hoch Hoch
Kontraktionsschnelligkeit
Langsam Schnell Sehr schnell
Ermüdbarkeit
Gering Mittel Hoch
Laktatbildung gering Mittel Sehr hoch
 Der Aufbau der Muskelfasern ist nicht bei allen Pferden gleich. Den hinteren Gesäßmuskel hat man anhand von Biopsien untersucht und festgestellt, dass der Anteil an schnellen Muskelfasern abhängig vom Pferdetyp ist.
Quater 93% Vollblut 87%
Warmblut 72% Distanzpferd 72%
Schwerer Hunter 69%

 Daher sollte man für jede Pferdesportart den geeigneten Pferdetyp finden.

 Aber auch innerhalb des Körpers sind die Muskelfasern unterschiedlich verteilt. Die schnellen Muskeln befinden sich überwiegend am Stamm, die langsamen mehr an den Gliedmaßen. Bei der Arbeit im unerwünschten anaeroben Bereich sind die schnellen eher betroffen.

 Muskeln sind besonders Anpassungsfähig, gut durchblutet und federnd dehnbar. Sie wachsen durch Training nur wenn sie in ihrer natürlichen Funktion beansprucht werden, bei falscher krampfhafter Anspannung atrophieren sie.


Kontraktion des Muskels:

 Die Muskelfasern bestehen aus parallel angeordneten Actin (dünn) und Myosinfilamenten(dick). Durch ihren Aufbau ermöglichen sie zwei verschiedene Kontraktionsmöglichkeiten:

• Die isotone Kontraktion
• Die isometrische Kontraktion

Die isotone Kontraktion führt zur echten Verkürzung des Muskels, infolgedessen zu einer Bewegung. Die Spannung innerhalb des Muskels ändert sich nur mäßig. Wichtig für den Muskelaufbau ist der Trainingsreiz
• Beim Pferd ist hier der Bergtrab oder das Klettern im Gelände am effektivsten. Man kann auch einen Sandplatz, der so tief ist, das das Pferd bis zum Saumband einsinkt herstellen. Dies verbessert vor allem die Schulter und Kruppenmuskulatur.

• Waten im tiefen Wasser, aber Vorsicht beim Traben es endstehen starke Sogwirkungen auf Sehnen und Gelenke.
• Beide Bewegungstrainings 2-3x /Woche für 10-15 min.

• Gewichtsbandagen sind auch sehr hilfreich beim Training. Diese sollten nur in der Schrittarbeit verwendet werden. Bei jungen Pferden sollte mit einem niedrigen Gewicht von 1,1kg pro Bein begonnen werden und erst nach 14 Tagen auf die nächste Gewichtsstufe von 2,2 kg gewechselt werden. Wichtig ist die langsame Gewöhnung und aus Erfahrung wird empfohlen die Gewichte abwechseln paarweise an den Vorder-bzw. Hinterbeinen anzubringen. Sie sind oberhalb der Fesselköpfe anzubringen und am besten über Bandagen oder Gamaschen um Reibungen zu verhindern.

• Gewichtshufeisen werden gerne im Trabrennsport verwendet sind aber mit Vorsicht zu betrachten, da durch die endstehenden Fliehkräfte großer Schaden an Sehnen und Gelenken endstehen kann.

• Ein weiteres Spezielles Trainingsgerät ist die Krafttrainingskutsche. Sie setzt der Bewegung des gerittenen Pferdes einen über Gewicht und Bremskraft regulierbaren Widerstand entgegen.

Ein wichtiges Prinzip dieses Krafttrainings mit dem Ziel des Muskelaufbaus ist es, einen hohen Widerstand für eine kurze Zeit zu erzeugen. So wirkt auf die Muskulatur ein kurzer aber intensiver Reiz, dem dann eine Erholungsphase folgt. Die ersten Erfahrungen zeigen, dass sich im Training mit Sportpferden eine hohe Praktikabilität und ein leichtes Handling bestätigen. Ebenfalls konnten neben gymnastizierenden Effekten bereits Kraft-Anpassungsprozesse bei den Pferden subjektiv beobachtet werden. Für die Zukunft steht die Objektivierbarkeit des Krafttrainings auf dem Programm. Hierzu soll die Kutsche mit einem speziellen Kraftmessgerät ausgerüstet werden.

• Extreme isotonische Übungen sollten mit 2 Einheiten pro Woche begrenzt werden, weil sonst die Gefahr eines Überholens des Ausdauertrainings vor Beendigung des Krafttrainings zu groß ist.
Das isometrische Muskeltraining ist schon sehr begrenzt anwendbar, da es überwiegend aus stationären Übungen besteht.
• Die isometrische Kontraktion führt zu größer Spannungserhöhung im Muskel aber zu keiner Verkürzung oder Bewegung und der Trainingsreiz soll 7-10 sek. andauern.

• Übungen dafür sind das Herausziehen, bzw nach oben ziehen einer Vorder-bzw. Hinterextremität bis das Pferd beginnt aktiv dagegen zu drücken. Die Spannung sollte 7-10 sek. Anhalten.

• Bereits in der K.u.K. Kavallerie zählten diese Übungen zum täglichen Exerzierprogramm bei den Remonten. Diese Übungen wurden zwischen den Pilaren ausgeführt und als „Balanchieren“ bezeichnet.

• Bei Fahrpferden ist eine wirksame Übung beim Bergauffahren das Gespann anzuhalten, die Bremsen langsam zu lösen bis die Pferde aktiv gegen das Gewicht des Wagens und des Fahrers ziehen, ohne vorwärts zu gehen. Diese auf die Hinterhand zielende Übung sollte ebenfalls 7-10 sec. Gehalten werden. Anschließend dürfen die Pferde bei angezogener Handbremse ausruhen.

• Isometrische Übungen können täglich durchgeführt werden.

Energiestoffwechsel der Muskulatur

Die Skelettmuskulatur des Pferdes ermöglicht die Bewegung der einzelnen Gelenke und damit die Vorwärtsbewegung des Tieres, übernimmt zum anderen aber auch einen Teil der Körperlast und trägt somit wesentlich zur Statik bei.
Für den Vorgang einer Muskelkontraktion benötigt die Muskelzelle Energie, die sie durch die hydrolytische Spaltung von ATP gewinnt:
1. Freies ATP in der Muskelzelle

ATP + H2O ↔ ADP + P + H+ + Energie

 Da die im Muskel vorhandenen ATP-Vorräte nur für wenige 5-7-Muskelkontraktionen reichen, muss möglichst schnell neues ATP gebildet werden. Dies kann auf aerobem oder anaerobem Wege erfolgen.
Anaerobe Energieproduktion
2. Kreatinphospat in der Muskelzelle

 Der Skelettmuskel hat verschiedene Möglichkeiten, ATP zu regenerieren.
Allen Möglichkeiten gemeinsam ist, dass ein Phosphatrest auf ADP übertragen wird.
 Das Zytoplasma der Muskelzellen enthält etwa 60 bis 65 mmol Kreatinphopsphat pro Kilogramm Muskeltrockenmasse. Katalysiert durch das Enzym Kreatinkinase kann die folgende Reaktion ablaufen:

ADP + KP ↔ ATP + K (+ Energie)

 Der Gehalt an Kreatinphosphat reicht für Muskelkontraktionen von ca. 10 bis 15 Sekunden Dauer aus, danach muss auf andere Wege zurückgegriffen werden.
Derartige Kurzleistungen gibt es zwar im Bereich der Leichtathletik im Humansport, die Pferden abverlangten Leistungen umfassen jedoch in den meisten Disziplinen einen weiteren zeitlichen Rahmen, so dass diese Form der Energiebereitstellung selten den hauptsächlichen Anteil einnimmt.
 Wesentlich ist die Energiegewinnung aus Kreatinphosphat z.B. bei Quarterhorse-Rennen mit einer Distanz von 400 m. Diese Strecke wird in etwa 20 Sekunden bewältigt, so dass ca. 80% der benötigten Energie dem Kreatinphosphat entstammen

 Eine weitere Möglichkeit der ATP-Synthese besteht darin, aus zwei Molekülen ADP ein Molekül ATP und ein Molekül AMP zu bilden.

2 ADP↔ ATP + AMP

Beide bisher genannten Reaktionen liefern jeweils ein Mol ATP pro Mol Substrat.

3. Energie aus Glykogen, Glucose

 Eine andere Möglichkeit der Ergänzung der ATP-Vorräte bietet die Glykolyse. Die Ergiebigkeit dieses Speichers ist abhängig vom Kohlehydratgehalt der Nahrung. Und reicht für 30-45 min. normales Trab oder Galopptempo. Glykolyse: Energiebereitstellung aerob oder anaerob:

 Hierbei werden Glucose bzw. Glykogen abgebaut, wobei zunächst Pyruvat entsteht.

 Anaerob liefert: 1 Mol Glykogen liefert 3 Mol ATP-reicht 40-90 sec.
1 Mol Glucose liefert 2 Mol ATP

Steht nun für die folgenden Schritte kein Sauerstoff zur Verfügung, wird das Pyruvat unter Katalyse durch das Enzym Laktatdehydrogenase in Laktat umgewandelt, wodurch keine weitere Energie gewonnen werden kann

Aerobe Energieproduktion
Steht in der Muskulatur ausreichend Sauerstoff zur Verfügung, wird Pyruvat oxidativ decarboxyliert. Dabei entsteht Acetyl-CoA. Aus diesem wird dann im Citratzyklus und in der Atmungskette ATP gewonnen. Zusammen mit dem Energiegewinn aus der Glykolyse entstehen bei der oxidativen Phosphorylierung insgesamt

38 Mol ATP pro Mol Glucose - für Belastungen von 60-90 min
Als Nebenprodukte entstehen CO2 und Wasser.
Für die Wiederauffüllung stark geleerter Glykogenspeicher benötigt das Pferd 48 Stunden.
4 . Fettsäurestoffwechsel
Für die Langzeitbelastungen werden aus Fettsäuren unter aeroben Bedingungen eine große Menge ATP gebildet werden. Die Fettsäuren werden durch β-Oxidation zum Acetyl-CoA abgebaut und dann wiederum in Citratzyklus und Atmungskette weiter verstoffwechselt. Pro Fettsäuremolekül werden je nach Art der

Fettsäure etwa 140 ATP-Moleküle gebildet.

• Zu Beginn eines Laufes wird zunächst das im Zytosol gespeicherte ATP verbraucht, im Anschluss daran wird die Energie aus Kreatinphosphatabbau gewonnen. Parallel dazu läuft langsam auch schon der oxidative Abbau von Kohlenhydraten und Fetten an.

• Bis dieser Weg seine maximale Leistung erzielt, wird Glucose auch anaerob verstoffwechselt, was zu hohem Glykogenverbrauch und beträchtlichen Laktatanhäufungen führt.
Der Höhepunkt der Energiegewinnung durch Glykolyse ist nach etwa 30 Sekunden erreicht. Ob und inwieweit in der darauf folgenden Zeit der von der Energieausbeute her effektivste Weg der aeroben Energiegewinnung vorherrschen kann, hängt im Wesentlichen von der Art der Belastung ab.
Hieraus ergibt sich, dass in Sportarten, in denen die geforderte Aufgabe in sehr kurzer Zeit bewältigt wird bzw. eine sehr hohe Belastungsintensität vorherrscht, die nötige Energie in hohem Maße anaerob gewonnen wird (z.B. Galopprennen 1000 m 95%, Springen 80%, Trabrennen 1600 m 70%).
 Für ca 3. Minuten kann schnellstmöglich ATP bereitgestellt werden- Fluchttier Pferd = Überleben !
 Aus den Phasen 1, 2 und 3 ergibt sich eine Zeit von 3min 30 sec., in der das Pferd höchsten Anforderungen gewachsen ist,
 Springbewerbe, Galopprennen, Trabrennen finden in diesem Bereich statt, hier gibt es weniger saure Pferde als in der Dressur oder im Freizeitbereich. Nach jeder Maximalbelastung, die länger als 3 Minuten dauert, muss eine Erholungsphase eintreten.
Nahezu ausschließlich oxidativ können z.B. Distanzpferde arbeiten (94%), da hier bei niedriger Intensität über eine längere Zeit gearbeitet wird.
 Richtiges Training reduziert deutlich die anfallenden Mengen an Laktat. Durch konsequentes Training wird sowohl Sauerstoffaufnahme wie auch Bereitstellung von Sauerstoff und Gehalt an rotem Blutfarbstoff(Haemoglobin) erhöht. Auch Änderungen in den Muskelfasern tragen bei korrektem Training deutlich zur Erhöhung der aeroben Kapazität bei.

Auszug aus dem Skript: Trainigstechnologie für ÖGPPT Pferdephysiotherapeuten, Dr. med. vet. Astrid SCHWARZ, 2011, et al. . Absolute Copyright!