Das Gelenk des Pferdes

  Knochensystem, Skelett

Das Skelett als Stütze des Körpers und seiner Höhlen bestimmt dessen Größe und Form ganz wesentlich.
Das Jugendwachstum des Pferdekörpers ist in erster Linie ein Längenwachstum der Knochen.
Die Weichteile müssen sich anpassen, aber auch die Knochen formen sich nach der Funktion um (Gewichtszunahme, andere statische Verhältnisse nach Frakturen oder veränderter körperlicher Arbeit).
Das Gehirn schafft sich Raum für seine zunehmende Größe (Fontanellen.
Die Knochen bieten den Muskeln und Sehnen sowie den Bändern Ansatz, wobei oft Hebelwirkungen auftreten.
Dabei ist fast immer der Lastarm größer als der Kraftarm. Das ist zwar unökonomisch, andernfalls würden sich aber plumpe, unproportionierte Körperformen ergeben. Die Festigkeit der einzelnen Knochen sind verschieden. Außerdem bestehen tierartliche, rasse- und individuell bedingte Unterschiede.

Die Biegebruchfestigkeit des Knochens liegt zwischen der von Hartholz und der von Gusseisen, bei wesentlich höherer Elastizität. Die Beschaffenheit des Skeletts ist für die Tierbeurteilung wichtig, denn das Skelettsystem ist die Grundlage für viele Leistungen der Muskulatur.
 

 

Verbindung der Knochen: Spaltfreie Verbindungen der Knochen werden Synarthrosen oder auch Fugen, Hafte genannt. Besteht ein Gelenkspalt, so spricht man von einem echten Gelenk, Diarthrose.
Hafte, Synarthrosen werden unterteilt: Syndesmose, bandhaftiges Bindegewebige Verbindung der Knochen z.B. Zungenbein und Schädel, Verbindung beider Unterkieferhälften der Haussäugetiere (Hunde, Katze). Synchondrose, Knorpelhaft. Knorpelige Verbindung der Knochen, z.B. Beckensymphyse, Zwischenwirbelscheiben.
 

Synostose, Knochenhaft. Knöcherne Verbindung der Knochen. Sie geht meist im Alter aus der Syndesmose und der Synchondrose hervor. Synsarkose, Muskelhaft. Verbindung der Skelett-Teile durch Muskeln, z.B. Verbindung der Schulterblätter mit dem Rumpf. Knochennähte, Suturae. Sie stellen eine besondere Form der Knochenverbindung dar. Zwischen den Nahträndern befindet sich während des Wachstums ein feiner bindegewebiger Saum, der später verschwindet. In den Nähten erfolgt während der Jugend das Wachstum der Kopfknochen.
 

Der Gelenksaufbau:

1) Gelenkkopf - konvex geformt 2) Gelenkpfanne - konkav geformt 3) Knochenmasse 4) Knorpel - Gelenkknorpel 5) Gelenkflüssigkeit (Synovia) 6) Äußere Haut (Membrana fibrosa) 7) Innere Haut (innere Synovialmembran) 8) Bänder zur Verstärkung

 Synovia (auch Synovialflüssigkeit oder „Gelenkschmiere“) ist eine viskose, fadenziehende, klare Körperflüssigkeit in echten Gelenken.
Sie wird von der Membrana synovialis, der Innenschicht der Gelenkkapsel, gebildet und bildet einen Gleitfilm auf den Gelenkflächen. Der Begriff geht auf Paracelsus zurück und ist von griech. syn „zusammen mit“ und ovia „Eiweiß“ abgeleitet. Abb.: Fesselgelenk
 

Die Synovia ist eine in Gelenken, Schleimbeuteln und Sehnenscheiden enthaltene visköse Flüssigkeit.
2. Zusammensetzung
Die durch Punktion eines gesunden Gelenks gewonnene Synovia erscheint als visköse, klare, leicht gelbliche Flüssigkeit mit thixotropen (Der Begriff Thixotropie bezeichnet die Abhängigkeit der Viscosität gallertartiger Stoffe von mechanischer Krafteinwirkung und deren Dauer und anschließender Wiederherstellung des Ausgangszustandes)
Eigenschaften. Der pH-Wert liegt zwischen 7 und 7,8.
Die Synovia ist ein Dialysat des Blutplasma und hat in etwa die gleiche Elektrolytzusammensetzung. In ihr finden sich zahlreiche Plasmaproteine bzw. -enzyme mit einem Molekulargewicht von weniger als 100.000 Dalton, z.B. saure Phosphatase und Laktatdehydrogenase. Sie enthält zusätzlich von den Zellen der Membrana synavialis sezernierte Muzine, allen voran Hyaluronsäure. Letztere ist für die Viskosität der Synovia verantwortlich.
Der Anteil zellulärer Elemente ist in der normalen Synovia sehr gering und schwankt zwischen 0 und einigen hundert Zellen pro mm3. Zum überwiegenden Teil handelt es sich um Lymphozyten.
 In der Praxis wird für die dynamische Viskosität neben der Pa·s (Pascalsekunde) außerdem der tausendste Teil der SI-Einheit mPa·s (Millipascalsekunde) für Medien niedriger Viskosität verwendet.
Im CGS - System wird die dynamische Viskosität in POISIE (P) gemessen, wobei 1 Ns/m2 = 1 Pa·s = 10 Poise = 1000 Centipoise = 1000 cP = 1 kg/ms, und die kinematische Viskosität in Stokes (St), 1 St = 10−4 m2/s. Abb.: viscosity of liqiuds
Synovialis

Die Synovialis oder Gelenkinnenhaut ist ein spezialisierte Schleimhaut, welche die Innenseite der Gelenke, Sehnenscheiden und Bursen auskleidet. Sie sezerniert den Gelenkschleim (Synovia). Hier finden wir auch Sensoren/Rezetoren des propriozeptive Systems, welche für die Stabilität und Sicherung des Gelenkes wichtig sind. PZT.
 

Der Gelenksknorpel

Knorpelgewebe ist ein festes sowohl druck- als auch biegungselastisches, gefäßloses Stützgewebe, das in der Entwicklung zudem die Anlage des knöchernen Skeletts bildet. Es ist schneidbar und besteht wie die anderen Binde- und Stützgewebsarten aus Zellen und der sie umgebenden Interzellularsubstanz, die aus geformten und ungeformten Komponenten besteht.

 Als Knorpelzellen kommen Chondroplasten, Chondrozyten, und Chondroklasten vor. Als Chondroblasten („Knorpelbildner“) werden die Vorläuferzellen der Chondrozyten bezeichnet. Sie stammen von mesenchymalen Stammzellen ab und stellen die aktive Form der Knorpelzelle dar, da sie alle Komponenten der Knorpelmatrix synthetisieren können.
 

Sobald sie diese Synthesefunktion eingestellt haben, differenzieren sie sich zu den Chondrozyten, den eigentlichen Knorpelzellen. Die Chondrozyten sind kleiner als die Chondroblasten, kugelig geformt, besitzen einen rundlichen Zellkernen und enthalten viel Wasser, Fett und Glycogen. Ihre Anzahl, Lage und Dichte ist für jede Knorpelart spezifisch.

Der Gelenkknorpel kann Kräfte aufnehmen, die mehr als dem 5 bis 7fachen des Pferdegewichtes entsprechen

Ladungsverschiebung bei Belastungen des Knorpels:

Belastung = Ladungsdichte erhöhte
Entlastung = Ladungsdichte normal


 

 

Knorpelschaden

Knorpelgewebe überzieht die Oberflächen all unserer Gelenke. Wie ein Stoßdämpfer schützt es vor Druck und Scherbelastung. Die besonderen Eigenschaften von Knorpel sind Elastizität und die Fähigkeit, sowohl das Körpergewicht zu tragen als auch ein nahezu reibungsfreies Gleiten der Gelenke zu ermöglichen.
Im Verborgenen arbeiten die Knorpelzellen und verbinden Kollagenfasern, Wasser, Eiweiße und Kohlenhydrate zu einer homogenen Oberfläche, auf der kein Kratzer zu sehen ist. Ist dieser Vorgang einmal abgeschlossen, so ist eine Regeneration, die Neubildung von Knorpelgewebe, nur noch in sehr begrenztem Umfang möglich. Der hyaline Gelenkknorpel schimmert im frischen Zustand bläulich und ist in der Lage große Mengen Wasser zu binden.
 

Betrachtet man die physiologischen Grundlagen, welche für eine gesunde und optimale Gelenksfunktion am Pferd notwendig sind, so ist eine aufbauende und dosierte Steigerung der Belastung, speziell in der juvenilen Entwicklungsphase des Pferdes, als logisch zu sehen.

Ebenso ist für die Stabilität im und am Gelenk selbst (durch die in der Synaviolis liegenden Rezeptoren) eine selektiver, und vor allem propriozeptiver Trainingsreiz auf diese Strukturen so zu wählen, dass die koordinative Leistungsfähigkeit mit der Gelenksbewegungsgeschwindigkeit ideal kommuniziert.

Pinter, et al.